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Film- und Serienliebe #2: Tote Mädchen lügen nicht

13 Reasons why

Es ist einige Jahre her, seit ich „Tote Mädchen lügen nicht“ gelesen habe und zugegeben – mittlerweile sind einige Erinnerungslücken vorhanden. Ich weiß jedoch noch sehr genau, dass mich das Buch gefesselt hat. Umso gespannter war ich daher auf die Verfilmung in Form der Serie auf Netflix.

„Tote Mädchen lügen nicht“ (Originaltitel: „13 reasons why“) beschäftigt sich mit der 17-jährigen Hannah Baker, die sich vor kurzem das Leben genommen hat. Hinterlassen hat sie 7 Kassetten mit 13 Gründen, oder besser gesagt 13 Personen, die sie für ihre Tat mitverantwortlich macht. Jede Kassette handelt von einem weiteren Vorfall und der damit einhergehenden Verkettung vieler kleiner Ereignisse zu einem großen Ganzen. Auf den Inhalt selbst sei an dieser Stelle nicht weiter eingegangen.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Die Hintergründe für Hannahs Suizid werden mit der jeder weiteren Folge aufgerollt. Jede Folge beschäftigt sich dabei mit einer Seite der Kassette und damit gleichzeitig mit der jeweiligen Person. Dabei hat man es mit zwei Zeitebenen zu tun. Einerseits die Gegenwart, in der man die Ereignisse nach Hannahs Tod verfolgt und gleichzeitig dabei zusieht, wie Protagonist Clay sich die Kassetten und Hannahs Geschichte anhört. Sobald Clay jedoch immer wieder erneut auf den Play-Knopf drückt, wird man in die Vergangenheit katapultiert, wo unschöne Erinnerungen und Geheimnisse auf einen warten, die teilweise lieber verborgen geblieben wären. Die Enthüllungen und einzelnen Zusammenhänge werden mit jeder Folge und durch den Zeiten-Wechsel  immer klarer und deutlicher.

Die Umsetzung des Buches ist ziemlich raffiniert und sehr gut gelungen. Man ist einfach gezwungen nach der ersten Folge weiterzuschauen. Die Serie entwickelt sich zu einer reinen Sucht, weil man unbedingt wissen möchte, wie alles zusammenhängt. Wer alles beteiligt ist. Welche Ereignisse noch vorgefallen sind. Kleine Anspielungen und Verweise auf spätere Kassetten halten dabei die Spannung doppelt oben. Protagonist Clay ist dabei ein sehr guter Charakter, denn genau wie er muss auch derjenige, der die Serie guckt, erst einmal alle Beziehungen und Geheimnisse sortieren und in eine Reihenfolge bringen.

Schonungslose Realität

Es ist ein Kräftemessen von Highschool-Schülern und ein Spiel um Macht. Einiges kann man zu Beginn noch als das vorpubertäre Verhalten von Teenagern interpretieren, die einfach ihre Grenzen austesten. Besonders interessant war dabei, dass man auch die Beweggründe, Ängste und Lebenssituationen von Hannahs Mitschülern erlebt. Denn eigentlich sind das auch ganz normale und ähnliche Probleme, wie Hannah sie hatte. Doch mit jeder weiteren Folge und besonders gegen Ende hört der Spaß auf und man kann hier absolut gar nichts mehr rechtfertigen.

„Tote Mädchen lügen nicht“ zeigt die ungeschönte Realität in seinem vollem Ausmaß und verpackt dabei viele Themen wie Liebe, Freundschaft und Eifersucht, Verrat und Schmerz, Scham und Angst. Und ganz wichtig: Mobbing. Einerseits finde ich es gut, dass vieles so nah an der Realität gebaut ist. Andererseits ist diese Serie auch nicht immer leichte Kost. Einige Szenen können nämlich sehr verstörend wirken, da helfen auch die Warnungen vor einigen Folgen nicht. Es gibt keine Verharmlosung von Gewalt- und Straftaten, die Brutalität der Jugend wird in seiner ganzen Hässlich- und Grausamkeit dargestellt. Am schlimmsten und tatsächlich verstörendsten für mich: Hannahs zensurfreier Suizid. Von ihrem letzten Blick in die Spiegel bis hin zu dem Moment wo sie gefunden wird, bleibt die Kamera immer dabei. Kein einziges Mal wird der Blickwinkel verändert. Ich war tatsächlich überrascht, dass die Regisseure es so direkt zeigen und obwohl ich sehr genau wusste, wie diese Serie enden wird, musste ich irgendwann den Blick abwenden.

Und danach?

Tja, das ist die Frage. „Tote Mädchen lügen nicht“ hat mich zweifelsohne wie das Buch zu 100 % begeistert. Es ist schockierend, ja, aber es regt gleichzeitig auch zum Nachdenken an. Besonders die Frage nach Interpretationen steht klar im Raum. Nur weil Person A etwas als harmlos ansieht, kann es bei Person B in einer vollkommen anderen Sichtweise ankommen. Wie geht man mit den Menschen respektvoll um? Welche Folgen hat unser Handeln womöglich? Sicher, es lässt sich nicht pauschalisieren und ist von Person zu Person und dem jeweiligen Charakter unterschiedlich. Aber die Fragen und ein unangenehmes Gefühl bleiben trotzdem.

Einige Dinge bleiben nach Ende der Staffel offen. Übrigens etwas, was – wenn ich mich richtig erinnere – im Buch anders ist: Da gibt es kein offenes Ende. Es ist wohl bereits eine zweite Staffel in Planung. Worum es darin dann gehen soll und ob diese ebenso erfolgreich und gut wird, wie die erste Staffel bleibt abzuwarten.

Wer von euch kennt die Serie? Oder sogar das Buch?
Wie hat euch die Staffel gefallen?

Alles Liebe, Ela ♥

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3 Comments

  • Reply Heike

    Ich fand es gerade gut, dass die Kamera sich nie abgewandt hat. Normalerweise ist das ja so: In einem Film kommt eine Vergewaltigungsszene vor, ein Selbstmord, tragische Musik, die Kamera schwenkt weg – niemand will wirklich sehen, was passiert, es wird beinahe künstlerisch überspielt. Es ist die tragische Geschichte der Figur, die sie zwar in all ihrer Grausamkeit und seelischen Verletzung begleitet, die der Zuschauer aber bitte nicht direkt sehen soll, weil es ihn verstören könnte. Aber es IST verstörend, es IST grausam, es IST schrecklich. In einer Serie, in der es auch darum geht, dass viele wegsehen, hilflos sind, nicht einschreiten, nicht wissen, wie sie das alles direkt ansprechen sollen, in der sogar der Schulpsychologe nicht in der Lage ist, genau hinzuhören und die richtigen Fragen zu stellen, weil man „über sowas nicht redet“, ist es besonders wichtig, dass nicht weggesehen wird. Ein Ziel ist es doch, die Menschen zum Hinsehen zu bringen, zu hinterfragen, was man auf den ersten Blick sieht. Das Tabu von all diesen Dingen zu nehmen, weil es wichtig ist, darüber reden zu können. Ich weiß, dass viele diese explizite Darstellung ganz schrecklich fanden, ich fand sie genau richtig.

    12. Juni 2017 at 11:33
  • Reply Vivi

    Liebe Ela,
    Als es feststand dass dieses Buch verfilmt wird, hab ich mir sofort das Buch geschnappt und wollte es noch vor Serienstart lesen. Das Buch fand ich gut, doch ich muss ehrlich sein, dass mich die Serie mehr gefesselt hat. Vielleicht weil sie noch emotionaler war und ich Hannahs Schmerz noch mehr empfand. Was bei mir aber auch daran lag, dass ich mir einige Stellen im Buch nicht so schlimm vorgestellt hatte, wie sie eigentlich waren. Es aber in der Serie besser rüberkam. Was mich aber auch überrascht hat, war dass wirklich ALLES gezeigt wurde, was dazu gehörte. Darunter ihre Vergewaltigung im Pool und schließlich auch ihr Suizid, wo ich immer weg gesehen hatte. Die Triggerwarnung für Menschen die soetwas erlebt haben ist natürlich berechtigt, aber wie ich festgestellt habe, auch für welche die nichts in der Art erlebt haben, weil das Thema Mobbing uns schließlich alle etwas angeht. Aber andererseits find ich es gut, dass nichts verharmlost wurde, damit es bloß nicht so rüber kommt als „sei es nicht so schlimm“. Und ich bin ehrlich: ob die Serie wirklich ab 12 sein sollte, weiß ich nicht, auch wenn ich sie sonst nicht gucken könnte. Aber ich hab gelesen, dass die 2. Staffel wahrscheinlich ab 16 sein soll und noch mal deutlich krasser als die 1. Hier ein Link zu einem Video über die möglichen Themen der 2. Staffel: https://m.youtube.com/watch?v=PbYoDc-7ZUE
    *sorry für den halben Roman*
    Liebe grüße, vivi

    13. Juni 2017 at 17:20
  • Reply Melanie

    Hallo Ela,
    es ist schon ein paar Wochen her, dass ich die Serie zu Ende gesehen habe. Auch ich wollte etwas darüber in meinem Blog schreiben, aber anfangs war ich emotional noch zu sehr damit beschäftigt, und später verging dann einfach die Zeit und ich bin nicht mehr dazu gekommen… Das Buch habe ich bereits vor knapp acht Jahren gelesen und kann mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, aber ich weiß, dass es mir damals sehr gut gefallen hat. Die Serie hat mir sehr gut gefallen und besonders jetzt im Nachhinein beschäftigt sie mich. Ich muss nur daran denken, dann kommen wir fast wieder die Tränen. Es ist zum Teil hart die Augen nicht abzuwenden, aber ich finde, genauso ist es richtig. Es muss einfach deutlich werden, was Mobbing anrichten kann, und wie verschieden Taten und Aussagen aufgenommen werden. Jeder Mensch fühlt anders, anfangs fand ich es noch etwas übertrieben, dass Hannah sich das alles so zu Herzen genommen hat, später hab ich es doch verstanden… Ich wusste was mich am Ende erwartet, aber dennoch hab ich hier gesessen und geheult, ich war fix und fertig und das Gesehene hab mich lange nicht los gelassen. Ich habe selber eine Tochter (18), und wenn ich mir vorstelle, dass sie sowas durchleiden müsste, nein, das darf ich mir nicht vorstellen. Ich hoffe sehr, dass diese Serie viele Menschen zum Nachdenken anregt, dann hätte sie viel erreicht.
    Liebe Grüße,
    Melanie

    14. Juni 2017 at 10:52
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