Follow me:

Josh Malerman – Bird Box: Schließe deine Augen

Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet …

MEINE MEINUNG

Tage vergingen, in denen Malorie eine Art Doppelleben durchmachte. Keine der Schwestern verließ mehr das Haus. Beide achteten darauf, dass die Fenster abgedeckt waren. Sie schauten CNN, MSNBC oder Fox, bis sie rein körperlich nicht mehr in der Lage waren, die Wiederholung der immer gleichen Geschichte zu sehen. Und während Shannon immer ernster und bedrückter wurde, klammerte sich Malorie an einen Rest Hoffnung, dass die ganze Sache einfach aufhören würden. Aber sie hörte nicht auf. Sie wurde immer schlimmer. S. 36

Dieses Buch zu lesen, war eine wahre Herausforderung für mich. Ich stand die ganze Zeit zwischen dem Dilemma aufhören zu wollen, einfach weil ich so ein Angsthase bin und dem Drang weiterlesen zu müssen, damit ich weiß, wie es ausgeht. Josh Malerman spielt in „Bird Box“ gekonnt mit den Ängsten der Menschen. Dem Unsichtbaren, nicht definierbaren. Dem Verrücktwerden. Dem Tod. Einige Szenen sind dabei wirklich gruselig, andere bedrückend und bei ein paar wenigen Momenten fühlt man sich wie in einem Horrorfilm. Zu Beginn erfährt man von Malories Plan zu flüchten, den sie auch schnell versucht in die Tat umzusetzen. Während man genau diesen Fluchtversuch verfolgt, streut Josh Malermann Blicke in die Vergangenheit ein, die erzählen, wie alles begann und wie Malorie die letzten Jahre verbracht hat. Jede Seite war dabei so spannungsgeladen, dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Mit dem Ende war ich jedoch nicht ganz zufrieden. Sicherlich, ist es schwer, die Situation aufklären zu können, ohne dass es plötzlich unglaubwürdig wirkt. Aber ich hätte mir wenigstens irgendeinen kleinen Hinweis gewünscht, der das Ganze nicht mehr so schwammig aussehen lässt. Zudem war das Ende ziemlich offen. Vielleicht wurde sich hier die Möglichkeit gelassen, bei Bedarf einen zweiten Band zu schreiben.

Als erstes lernt man Malorie und ihre beiden Kinder kennen, die befremdlicherweise keine Namen haben. Später in den Rückblenden lernt man andere Personen kennen. Menschen, die Malorie die letzten Jahre begleitet haben. Da wäre zum einen ihre Schwester Shannon oder die Hausbewohner, mit denen Malorie zusammen gewohnt hat. Malorie selbst war mir eigentlich sympathisch und ich konnte ihre Ängste und ihre teilweise Verwirrung gut nachvollziehen. Auch war es mir verständlich, dass sie anfängt alles zu hinterfragen, auch sich selbst als Mutter. Trotz allem hatte sie immer diese gewisse Stärke in sich, nicht zuletzt seit sie zwei Kinder hat. Von den Hausbewohnern mochte ich am meisten Tom und Jules. Nicht nur weil Malorie mit ihnen am besten klargekommen ist, sondern weil sie in dem ganzen Irrsinn noch menschlich geblieben sind und nicht nur an sich selbst und das eigene Überleben dachten. Und dann Malories Kinder. Kinder, die eigentlich gar keine Kinder sind, weil sie nie das tun konnten, was kleine Kinder halt tun. Draußen rumrennen. Oder spielen. Einfach unbeschwert aufwachsen. Stattdessen gab es jahrelang hartes Training, dass möglichst ihr Überleben sichern sollte.

Josh Malermans Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Alles wirkte düster, bedrückend, so wie Malories neue Welt jetzt aussieht. Ich will mir nicht mal annährend vorstellen, wie es ist, im Dunkeln leben zu müssen, nicht mehr rausgehen zu können, weil es meinen Tod bedeuten würde. Die Geschichte wird zwar aus der dritten Sicht erzählt, dennoch steht Malorie die meiste Zeit im Vordergrund. In ihre Lage und Gedanken konnte ich mich trotzdem recht gut hineinversetzen.

ABSCHLUSSWORTE

Mit „Bird Box“ hat Josh Malerman einen düsteren Thriller geschrieben, bei dem jede Seite so spannungsgeladen ist, dass es kaum auszuhalten ist. Dunkle, bedrückende Momente und einige echte Schocker-Szenen sorgen für die nötige Gänsehaut und das mulmige Gefühl. Die Vorstellung im Dunkeln leben zu müssen, ist furchtbar, weshalb ich mich so gut in Malorie hineinversetzen konnte. Einzig zum Ende hin hätte es eine kleine Aufklärung geben können und das Buch damit nicht so offen enden lassen sollen.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Penhaligon Verlag | März 2015 |  318 Seiten | Einzelband | Hardcover | 19,99 EUR
Originaltitel: Bird Box | übersetzt von Fred Kinzel

Previous Post Next Post

Das könnte dir auch gefallen:

4 Comments

  • Reply Weinlachgummi

    Hey,
    ich hätte mir auch ein bissl mehr Erklärungen gewünscht, aber wie du schreibst, es würde sich ein 2. Teil anbieten bzw. es wird offen gelassen…
    Liebe Grüße

    20. April 2015 at 22:53
  • Reply Elas Leselounge

    Das Problem ist, ich glaube, ich will keinen zweiten Teil. Ich fand dieses Buch hier zwar echt gut, aber ich finde es als Einzelband besser denke ich. Wirklich schade, dass der Autor es so offen hat enden lassen.

    Liebe Grüße, Ela

    21. April 2015 at 18:26
  • Reply Büchernische

    Huhu liebe Ela,

    ufff ein offenes Ende. Hmmm… aber die Stichworte "schockierend" und "echte Schockerszenen" lassen mich doch mit einem mulmigen Gefühl hier im Kommentarfeld zurück. Ob das was für mich ist? Ich mache eigentlich einen großen Bogen um blutige Thriller. Na mal sehen, vielleicht lese ja mal in eine Leseprobe rein 🙂

    Sehr schöne Rezension, danke dafür!

    Liebe Grüße
    Sandra

    25. April 2015 at 22:58
  • Reply Elas Leselounge

    Hallo liebe Sandra,

    schön, dass du was mit meiner Rezension anfangen konntest 🙂 Falls es dich beruhigt: Ich meide solche Bücher eigentlich auch lieber. Die Schocker-Szenen halten sich aber Grenzen. Es waren vielleicht drei oder vier Stellen, wo ich kurz ins Straucheln geriet. Ansonsten spielt sich einfach viel im Kopf ab. Vielleicht überzeugt dich ja eine Leseprobe.

    Liebe Grüße, Ela

    26. April 2015 at 16:12
  • Leave a Reply

    *