Rezension, Romane & Liebesromane

Juliet Ashton – Das Glück wohnt in der Ivy Lane

Notting Hill: ein Ort für Liebe, Familie, Freundschaft – und herzerwärmende Schicksale.
Eigentlich wohnt Sarah gerne in der Ivy Lane im Westen Londons. Die Hausgemeinschaft ist bunt, man hilft sich aus. Doch seit kurzem ist die Idylle zerbrochen, denn Sarahs Ex-Mann wohnt jetzt ein Stockwerk tiefer – bei seiner neuen Frau. Sarah ist am Boden zerstört und sucht plötzlich die Nähe zu den anderen Nachbarn. Vor allem zu Jane und Tom, den neuen Bewohnern im Hochparterre. Sie helfen Sarah wieder auf die Beine. Trotzdem: Sich neu zu verlieben kommt für Sarah nicht in Frage. Ein Flirt mit Tom schon gar nicht. Schließlich möchte sie keine glückliche Ehe zerstören. Nur eins ist klar: Wenn das Glück in die Ivy Lane zurückkehren soll, dann muss ein Wunder geschehen. Oder am besten gleich mehrere …

 

MEINE MEINUNG

Wir haben alle Trauer des Verlustes in uns. Es sei denn, wir haben nie geliebt. Und das wäre ein noch weit größerer Verlust. S. 97

In Juliet Ashtons neuem Roman liegt der Schwerpunkt auf Protagonistin Sarah. Sie steht vor den Scherben ihres Lebens nachdem ihr Mann sie für Helena verlassen hat und ist nun einsam und voller Selbstzweifel. Zu Beginn der Geschichte hatte ich einige Schwierigkeiten mit Sarah. Die Trennung von Ehemann Leo mag schwierig gewesen sein und dass ihr mittlerweile Ex-Mann jetzt mit der Frau, für die er Sarah verlassen hat, nur ein Stockwerk tiefer wohnt, kann schon Mitgefühl beim Leser erzeugen. Aber ich konnte einfach nicht verstehen, warum Sarah trotzdem so nach Leos Aufmerksamkeit fordert und nicht von ihm loskommt. Leo selbst ist nämlich alles andere als sympathisch und immer nur auf seine eigenen Vorteile bedacht. Besonders in den Dialogen mit Sarah zeigt er immer mehr sein wahres Gesicht und mit jedem Wort von ihm, mochte ich ihn weniger. Ich verspürte tatsächlich Erleichterung, als Sarah anfängt zu reflektieren und einige gute Einsichten bekommt, die sie zu einer starken und liebenswerten Frau machen.

An Sarahs Entwicklung nicht ganz unbeteiligt sind die anderen Bewohner des Hauses in der Ivy Lane, zu denen Sarah im Verlauf Kontakt knüpft. Da wäre zum einen das neu eingezogene Ehepaar Tom und Jane. Diese Freundschaft die sich zwischen den dreien entwickelt ist absolut wunderbar zu lesen. Besonders mochte ich Jane. Sie ist bunt, quirlig, verrückt und war sofort in der Lage, hinter die Mauer von Sarah zu blicken und hatte keine Scheu, ihr auch die Meinung zu sagen. Bei Jane fällt Sarah es schwer, ihre Fassade aufrecht zu erhalten. Aber auch der permanent schlecht gelaunten und gereizten Mavis kommt Sarah bei gemeinsamen Mittagessen näher. Mavis ist dabei mit ihrer bissigen Art ein ziemlich schwieriger Charakter. Jedoch ist sie mit ihren vielen kleinen überraschenden Lebensweisheiten auch Gold wert und je näher man sie kennenlernt, desto mehr mag man sie letztlich doch.

Ich muss gestehen, damals hat mich „Immer wieder du und ich“ der Autorin nur bedingt überzeugt, weswegen ich zwar trotzdem neugierig, aber ohne große Erwartungen an diesen Roman rangegangen bin. Und diesmal wurde ich positiv überrascht. „Das Glück wohnt in der Ivy Lane“ ist ein wunderbarer Roman über Liebe, Trauer, Vertrauen, Geheimnisse, Selbstwertgefühl und Freundschaft. Oft wird es tiefgründig, manchmal traurig und nachdenklich, zwischendrin aber sogar humorvoll. Juliet Ashton spielt hier mit vielen Fragen und Erwartungen des Lesers. Warum flirtet Tom ständig mit Sarah, obwohl er doch mit Jane verheiratet ist? Warum ist Una, die Tochter von Lisa, die ebenfalls im Haus wohnt, so schweigsam? Und was hat es mit der Person namens Smith auf sich? Im Verlauf kommt man den einzelnen Charakteren gut näher, erlebt wie sie miteinander interagieren, sich verändern und entwickeln. Dabei hat die Autorin einige überraschende Momente parat, die der Geschichte immer wiede eine neue Dimension und neue Blickwinkel verlieh, sodass es nie langweilig wurde.

 

ABSCHLUSSWORTE

„Das Glück wohnt in der Ivy Lane“ ist ein bezaubernder (Frauen-) Roman mit einer klugen Handlung und vielen reifen, nachdenklichen Themen. Die Bewohner des blauen Hauses in der Ivy Lane lernt man nach und nach gezielt kennen und lieben, sodass man irgendwann selbst Bewohner dieses Hauses sein möchte. Mit Protagonistin Sarah hatte ich zwar zu Beginn einige Schwierigkeiten, aber auch sie mochte ich zum Ende hin sehr gerne. Und bevor die Spannung abflauen kann, überrascht Juliet Ashton mit einigen unvorhergesehenen Wendungen. Ein Buch der leiseren Art, das aber wirklich Spaß macht zu lesen.

5/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Rowohlt | April 2017 | 400 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR
Originaltitel: The Women at Number 24 | übersetzt von Silke Jellinghaus & Katharina Naumann

3 thoughts on “Juliet Ashton – Das Glück wohnt in der Ivy Lane

  1. Liebe Ela,

    mir ging es ähnlich wie dir. „Immer wieder du und ich“ konnte mich nicht so überzeugen, aber „Das Glück wohnt in der Ivy Lane“ ist dann doch ein Volltreffer. Ich habe mich direkt ein wenig in das blaue Haus verliebt. Vielen Dank für deine tolle Rezension, die ich übrigens einfach mal in meiner verlinkt habe. 😉

    Liebste Grüße,
    Tati

    1. Liebe Tati,
      lustig, dass es dir genauso geht. Ich liebe das blaue Haus auch total und würde so gerne da einziehen. Dieses Buch ist wirklich toll.

      Danke fürs verlinken und schön, dass du genauso viel Freude damit hattest 🙂

      Alles Liebe, Ela

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