Paris kurz vor Weihnachten. Es schneit unaufhörlich. Sehr weihnachtlich ist es bei Max und Raphael allerdings nicht. Die Cousins, die als Filmausstatter und Restaurator arbeiten, leben erst seit kurzem in der Wohnung, haben sie aber im Handumdrehen in eine originelle Rumpelkammer und Party-Zone verwandelt. Bei ihnen geht die Pariser Bohéme ein und aus, die sich von ihrem kreativen Chaos angezogen fühlt. Nach allerlei Liebeswirren – warum verliebt man sich eigentlich immer in die Falschen? – markiert das nahende Silvesterfest einen Neuanfang für alle.

 

MEINE MEINUNG

Wer freut sich nicht auf ein Buch wie „Das Leben ist zu bunt für graue Tage“, wenn das Wetter momentan alles andere als freundlich ist? Eben. Und genau deswegen habe ich an einem weiteren verregneten Herbsttag zu Sophie Bassignac gegriffen, um meine Stimmung ein wenig aufzuheitern. Leider ging dieser Plan fehl.

Die Geschichte  spielt ganz simpel in einem Wohnhaus in Paris, in dem die ältere Dame Cecile, die Cousins Raphael und Max sowie deren Mitbewohnerin Louise wohnen. Zu ihnen gesellt sich auch bald die geheimnisvolle Eva. Als die beiden Cousins von ihren Müttern erfahren, dass sie aus der Wohnung ausziehen müssen, bitten sie um eine Schonfrist bis Silvester, denn sie wollen einen Maskenball veranstalten. Was so vielversprechend und heiter klingt, war jedoch leider das komplette Gegenteil. An diesem Buch war nämlich gar nichts bunt, außer vielleicht das Cover.

Und wissen Sie, weshalb wir schweigen? Weil wir unfähig wären, uns zu rechtfertigen, wenn man uns fragen würde, warum wir so leben, wie wir leben. Um nicht darauf antworten zu müssen, schweigen wir. S. 122

Es mag daran liegen, dass die Geschichte im Winter spielt und damit schon von vorneherein ein dunkles und graues Setting geschaffen wurde. Aber das war nicht einmal das Hauptproblem. Was mir dagegen große Probleme bereitet hat, waren die Charaktere. Diese sind oft traurig und jammern herum. Ihre Gedanken waren teils einfach nur erdrückend und halfen somit gar nicht über das unangenehme Gefühl des eher unbeliebten Winters hinweg. Zudem fiel es mir unglaublich schwer einen richtigen Zugang zu ihnen zu finden. Alle fünf Charaktere sind sehr speziell, komplett verschieden und haben teils widersprüchliche Charaktereigenschaften. Ihre Schicksale und einzelnen Geschichten, die sie zu den Menschen machten, die sie heute sind, wurden leider nur angedeutet, sodass die Figuren für mich nicht greifbar waren.

Das zweite große Problem war die Geschichte selbst. Sophie Bassignac reißt einige wichtige und interessante Themen an. Aber sie reißt sie eben nur an und lässt damit viel Spiel- und Interpretationsraum. Vieles, was angesprochen wurde, war einfach zu vage, als da man sich als Leser einen guten Eindruck davon verschaffen konnte. Zudem war mir die Geschichte einfach zu melancholisch, zu schwerfällig und zu traurig. Ich konnte nirgendwo einen Hoffnungsschimmer ausmachen, auf den ich mich hätte stützen können, damit die bunten Tage vielleicht doch noch kommen. Die Autorin hat einen schönen Schreibstil mit einem Hang zur Detailverliebtheit. Aber gerade durch die Schwerfälligkeit der Geschichte ging dieser Schreibstil unter, sodass mir die 208 Seiten teils endlos vorkamen und ich – so ungerne ich dies wirklich sage – einfach erleichtert bin, dieses Buch nun endlich beendet zu haben.

 

ZUSAMMENFASSEND

Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen, aber „Das Leben ist zu bunt für graue Tage“ konnte mich leider gar nicht überzeugen. Die Geschichte war mir zu trist, zu melancholisch und vor allem zu schwerfällig und schleppend. Auch konnte ich keinen besonderen Zugang zu den Charakteren finden, die komplexe Persönlichkeiten zu sein scheinen, die aber durch zu wenige Informationen kaum greifbar waren.  Das einzig Schöne, nämlich der Schreibstil, geht durch die depressive Grundstimmung leider unter. Insofern hält der Titel leider nicht das, was er verspricht, denn die bunten Tage fehlen hier.

2/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Atlantik Verlag | September 2016 | 208 Seiten | Einzelband | Hardcover | 20,00 EUR
Originaltitel: Comédie musicale | übersetzt von Claudia Steinitz

2 Replies to “Sophie Bassignac – Das Leben ist zu bunt für graue Tage”

  1. Hallo!

    Obwohl du das Buch ja jetzt nicht soo toll bewertet hast, muss ich sagen, dass deine Rezension trotzdem Lust macht das Buch zu lesen. Bei mir kommt es auf jeden Fall gleich mal auf die Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Liebe Sabrina,
      es freut mich, dass du das Buch trotz meiner Bewertung auf deine Wunschliste gesetzt hast, vielleicht gefällt es dir ja besser. 🙂 Lass es mich wissen, wenn du es gelesen hast! 🙂

      Alles Liebe, Ela

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