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Britta Sabbag – Der Sommer mit Pippa

Freunde suchst du dir nicht aus. Freunde finden dich. Sarah ist ein Kontrollfreak: Sie besitzt für jeden Anlass das perfekte Kleid, sie hat den perfekten Partner und nun auch endlich den perfekten Verlobungsring am Finger. Erst bei der Planung ihrer Hochzeit merkt sie, dass ihr die Trauzeugin fehlt – sie hat einfach keine beste Freundin. Als dann die chaotische Pippa in ihr Leben stolpert, ändert sich alles. Pippa ist Automechanikerin und das genaue Gegenteil von Sarah: zu laut, zu widerspenstig, zu ehrlich. Aber kann so jemand wie Pippa auch Sarahs Herz retten?

MEINE MEINUNG

Vielleicht merken wir schon nach ein paar Stunden, dass es wirklich eine Schnapsidee war – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie der Sommer mit Pippa aussehen sollte. Dass es chaotisch werden würde, stand außer Frage. Aber das war auch schon alles, was ich wusste. S. 77

Seit Sarah in der Schule von ihren Klassenkameraden gehänselt wurde, hatte sie nie eine richtige Freundin. Nach dem Abitur hat sie ihre Eltern und ihre Heimat hinter sich gelassen und sich in Köln ein neues Leben aufgebaut. Mittlerweile ist sie eine erfolgreiche Anwältin, hat scheinbar den perfekten Freund an ihrer Seite, mit dem jetzt auch noch die große Traumhochzeit stattfinden wird. Das Problem ist nur, dass Sarah bis heute keine einzige Freundin hat und es nun an der Trauzeugin mangelt. Da kommt Pippa doch gerade recht, oder?

Pippa bringt das Chaos, die Farbe und Freundschaft in Sarahs Leben. Dabei könnten die zwei Frauen unterschiedlicher nicht sein. Sarah ist perfekt, geordnet, immer durchgeplant, eine erfolgreiche Anwältin und manchmal vielleicht ein wenig zugeknöpft. Pippa dagegen ist laut, verrückt und bunt. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und hat eigentlich nur Dauerschulden. Dafür macht sie aber das, worauf sie gerade Lust hat. Ohne es zu wollen gerät sie immer wieder in Schwierigkeiten und strahlt trotzdem eine gewisse Leichtigkeit aus. Pippa war von mir von Beginn an sympathisch mit ihrer direkten, ehrlichen und unkonventionellen Art, mit der  sie den Nagel immer wieder auf den Kopf trifft.

Mit Sarah dagegen hatte ich gelegentliche Schwierigkeiten. Ihre Gedankengänge konnte ich zwar nachvollziehen, aber dass sie letztlich doch immer an ihrem Verlobten hing, selten ihre wirkliche Meinung sagte oder einfach vor Tatsachen die Augen verschloss, war mit der Zeit sehr störend. Ein weiterer Pluspunkt für Pippa: Sie sieht all das, was Sarah nicht sehen will und versucht ihr immer wieder die Augen zu öffnen – allen voran, was ihren eben überhaupt nicht perfekten Verlobten angeht. Genaugenommen ist Philip nämlich mehr als weit davon entfernt der Traummann zu sein. Was Sarah an ihm fand, konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Selbstverständlich geht es in „Der Sommer mit Pippa“ um die Liebe, immerhin steht ihr eine Hochzeit bevor. Aber es geht nicht um den absoluten Traummann oder den Mr. Right. Im Vordergrund steht die Freundschaft, besonders die Verbindung zu einer besten Freundin. Bisher habe ich nur ein Buch von Britta Sabbag gelesen, aber schon dort ist mir der tolle Humor aufgefallen, der sich auch diesem Buch wiederfindet. Die Schmunzler und Lacher hat die Autorin hier eindeutig dank Pippa auf ihrer Seite. Ein bisschen war ich enttäuscht, dass man nie wirklich etwas über Pippa selbst erfährt. Es fallen immer einige Andeutungen, die man sich vielleicht selbst zusammenreimen kann und im letzen Drittel gibt es aufgrund eines unglücklichen Zusammenhangs doch einen kurzen Einblick in Pippas Leben. Aber wer Pippa wirklich ist und ob da nicht vielleicht doch mehr hinter der quirligen Fassade steckt, erfährt man leider kaum. Zwar ist man aufgrund des locker-leichten Schreibstils schnell durch die Seiten dieses Romans durch, aber dennoch verbringt man einen unterhaltsamen Sommer mit Sarah und Pippa.

ABSCHLUSSWORTE

Eine Freundin musste nicht so sein wie du, nicht so aussehen oder leben wie du, und noch nicht einmal so denken wie du. Eine Freundin muss dich nur verstehen. S. 314

„Der Sommer mit Pippa“ handelt zwar ein stückweit von der Liebe, aber hier es die Freundschaft, die im Vordergrund steht. Die Freundschaft im allgemeinen und die Freundschaft zwischen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Roman lebt besonders von Pippa und ihrer vorlauten und unkonventionellen Art, wodurch einige Lacher nicht ausbleiben. Zwar hätte ich mir letztendlich noch etwas mehr von der Person Pippa gewünscht, einfach um zu erfahren, was wirklich hinter steckt, aber trotz allem verbringt man mit ihr und Sarah einen ereignisreichen und unterhaltsamen Sommer.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Rowohlt Verlag | April 2016 | 320 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR

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2 Comments

  • Reply Franzi Schönbach

    Huhu liebe Ela,

    endlich bin ich mal wieder hier, bzw. hier bin ich öfter aber endlich lass ich mal wieder einen Kommentag hier :). Das Buch klingt wirklich schön und wie die perfekte Lektüre zum Schmunzeln und Abschalten. Das landet doch direkt auf der WuLi, hab bisher auch nur gute Erfahrungen mit Büchern von Britta gemacht. glg Franzi

    7. Mai 2016 at 21:29
    • Reply Literaturliebe

      Hallo liebe Franzi,
      dann solltest du „Der Sommer mit Pippa“ auch unbedingt lesen, wenn dir andere Bücher der Autorin gefallen haben. 🙂

      Alles Liebe, Ela

      9. Mai 2016 at 10:27

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