Melanie Raabe – Die Falle

Sie stellt ihm eine Falle. Aber ist er wirklich ein Mörder? Die berühmte Bestsellerautorin Linda Conrads lebt sehr zurückgezogen. Seit elf Jahren hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Als sie im Fernsehen den Mann zu erkennen glaubt, der vor Jahren ihre Schwester umgebracht hat, versucht sie, ihm eine Falle zu stellen – Köder ist sie selbst.

MEINE MEINUNG

‚Das Schlimmste ist eben der Zweifel. Ein kleiner Zweifel bleibt immer zurück. Das ist das Schlimme. Der Zweifel ist wie ein Stachel, den man einfach nicht zu packen bekommt.‘ S. 226

„Die Falle“ war eins der meistgelobten Bücher des vergangenen Jahres, dem auch ich mich jetzt nicht mehr entziehen konnte. Der Einstieg in das Buch war etwas holprig und ich brauchte einige Seiten, um mit Protagonistin Linda Conrads warm zu werden. Zudem hatte der Beginn einige Längen für mich, was aber im Nachhinein betrachtet eine wichtige Vorbereitung auf die eigentliche Handlung war. Die Story an sich ist sehr überschaubar. Es gibt keine ausschweifende Handlung, keine übertriebenen Aktionen und trotzdem ist „Die Falle“ ein sehr spannendes Buch. Melanie Raabe braucht dafür nicht mal Blut, denn bis auf den Mord an ihrer Schwester, der kurz beschrieben wird, spielt sich alles auf der psychologischen Ebene ab. Die komplette Geschichte ist sorgsam durchdacht sowie stimmig ausgearbeitet.

Linda Conrads ist eine sehr spezielle Frau. Seit dem Tod ihrer Schwester lebt sie zurückgezogen in einem großen Haus. Ihre Welt beschränkt sich auf Keller, Erd-, Ober- und Dachgeschoss, denn Linda Conrads hat seit fast 12 Jahren das Haus nicht mehr verlassen. Ihr Leben ist begleitet von immer wieder auftretenden Panikattacken und Angstzuständen. Ihre Sichtweisen und Gedankenspiele sind dabei ein wichtiger Teil der Geschichte, wodurch sie mir manchmal aber auch etwas wie eine Wahnsinnige vorkam. Als sie den vermeintlichen Mörder ihrer Schwester erkennt, gerät ihre Welt ins Wanken. Doch was macht man, wenn man seit über einem Jahrzehnt das Haus nicht mehr verlassen hat? Man stellt ihm eine Falle und lädt ihn zu sich ein.

Melanie Raabe ist es gelungen, einen anfänglich dezenten Spannungsbogen zu schaffen, der mit jeder Seite immer größer und mächtiger wurde und mich als Leserin irgendwann in eine Art Rauschzustand versetzt hat. Ich musste einfach wissen, was passiert, ob der Mann aus dem Fernsehen tatsächlich der Mörder ist oder ob Lindas Fantasie ihr einen Streich spielt. Ob Linda es überhaupt schafft, aus der Nummer heil wieder rauszukommen. Durch die Ich-Perspektive von Linda wird man komplett mit ihrem Denken konfrontiert, nimmt teilweise sogar ihre wirren Gedankengänge an.

Die Autorin schafft es perfekt den Leser in die Irre zu führen, sodass man schon selbst an sich zweifeln möchte. Die Begegnung von Linda und dem Mörder selbst war ein reines Katz-und-Maus-Spiel, das durch ausgeklügelte und interessante Dialoge besticht. Beide wissen, warum sie da sind und trotzdem war man schlussendlich nur verwirrt. In dem Buch selbst gibt es Auszüge aus Linda Conrads Buch ‚Die Blutsschwestern‘, in dem sie den Mord an ihrer Schwester beschreibt. Während man in der Gegenwart zusieht, wie Linda versucht den Mörder zu überführen, erlebt man durch Conrads Buch, was damals vor 12 Jahren geschehen ist. „Die Falle“ hat weitaus mehr zu bieten, als nur die Falle von Linda Conrads, denn gerade zum Schluss zeigt sich, wie raffiniert dieses Buch eigentlich umgesetzt ist.

ABSCHLUSSWORTE

Melanie Raabes Debüt „Die Falle“ ist ein psychologisches Gesamtkunstwerk, das man unbedingt gelesen haben sollte. Auch wenn der Anfang zunächst etwas holprig ist und einiges an Vorarbeit geleistet wird, entwickelt sich die Handlung zu einem wahren Katz-und-Maus-Spiel, mit einem Spannungsbogen, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Von der ersten bis zur letzten Seite ist alles perfekt durchdacht, sodass man das Buch erst wieder weglegen kann, wenn man den letzten Satz gelesen hat.

5/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

BTB Verlag | April 2016 | 352 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR