Rezension, Romane & Liebesromane

Anna McPartlin – Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst …

 

MEINE MEINUNG

Die Zeiten für Hoffnung, Kampf und Heuchelei waren vorbei. Sie waren gegen die Wand geknallt. Und jetzt? Das ergab alles keinen Sinn. Eine Zukunft ohne Rabbit war nicht möglich. S. 226/227

Anna McPartlin greift in „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ein Thema auf, dass mir persönlich Angst bereitet: Krebs. Und der Tod. Der Handlungszeitraum der Geschichte ist sehr überschaubar und spielt sich innerhalb von 9 Tagen ab. Man begleitet Rabbit im Sterbehospiz durch die letzten Tage ihres Lebens. Dabei verbringt man 9 Tage mit einer unglaublich starken Frau, deren Hoffnung Akzeptanz gewichen ist und die nun bereit ist Abschied zu nehmen. Interessanterweise will Rabbit nicht, wie viele andere es vielleicht wollen, noch ein paar letzte Dinge machen. Sie will trotz der Krankheit ihr Leben weiterleben wie bisher – als Tochter, Mutter, Schwester, Tante, Schwägerin und Freundin. Die Autorin schafft es nahezu perfekt humorvolle mit ernsten Szenen zu kombinieren. Dadurch nimmt sie dem Leser ein bisschen die Angst vor dem traurigen Thema.

Während der Zeit im Sterbehospiz lernt man Rabbits gesamte Familie kennen. Da wären ihre Eltern Jack und Molly, zwei liebevolle, warmherzige, verzweifelte und teils sarkastische Menschen, die am Ende aber unfassbar stark sind. Rabbits Geschwister Grace und Davey, die sich alle drei in der Jugend nicht sonderlich gut verstanden haben, im Erwachsenenalter aber umso mehr zusammenhalten. Rabbits beste Freundin Marjorie, die ihrer Freundin den nötigen Halt gibt und Rabbit damit hilft, indem sie tut als wäre nichts und mit ironischen Bemerkungen die Stimmung auflockert. Und Rabbits 12-jährige Tochter Juliet, die plötzlich viel zu schnell erwachsen geworden ist und sich aufopferungsvoll um ihre Mutter kümmert.

Mit viel Feingefühl erzählt Anna McPartlin die Geschichte von Rabbit, die dabei unglaublich aufwühlend  ist und teils an die Substanz geht, die tröstet und gleichzeitig weht tut. Die Geschichte wird aus der dritten Sicht von Rabbit, ihren Eltern, ihren Geschwistern, ihrer Tochter und ihrer besten Freundin Majorie erzählt. Dabei wechselt sich die Gegenwart, in der sie alle von Rabbit Abschied nehmen, mit der Vergangenheit, in der sie in Erinnerungen schwelgen und Rückblenden auf das Leben mit Rabbit liefern, ab. Zudem wird die Geschichte auch von Rabbits großer Liebe Johnny erzählt, der jedoch nur in der Vergangenheit eine Rolle spielt, denn die Wege von Johnny und Rabbit haben sich leider getrennt. Dabei habe ich erst zum Ende hin wirklich verstanden, warum dem Leser diese Sicht präsentiert wird, wenn Johnny doch in der Gegenwart nicht mehr in Rabbits Leben ist.

Die Autorin beschreibt sehr nachvollziehbar die Gedanken und Gefühle jeder einzelnen Person, ohne die Geschichte bei der ganzen Traurigkeit kitschig oder aufgesetzt wirken zu lassen. Es berührt einfach. Das Ende der Geschichte steht von Anfang an fest, denn nicht nur der Titel verrät es. Und trotzdem habe ich bestimmt die letzten 20 Seiten geheult und mit der Familie Hayes um Rabbit getrauert, als es soweit war.

 

ABSCHLUSSWORTE

„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ist eine traurige und aufwühlende Geschichte, die aber mitten ins Herz trifft. Man begleitet Rabbit in ihren letzten Tagen, schließt sie ins Herz, um kurz darauf mit ihrer Familie Abschied von ihr zu nehmen. Mit viel Feingefühl nähert sich Anna McPartlin dem schwierigen Thema und nimmt dem Leser die Angst, in dem sie ernsten Szenen mit humorvollen gekonnt kombiniert.

5/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Rowohlt Verlag | März 2015 | 504 Seiten | Einzelband | Paperback/Broschiert | 12,00 EUR
Originaltitel: The last days of Rabbit Hayes | übersetzt von: Sabine Längsfeld

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