Ein Sommer am Strand in Nordfrankreich: Sonne, Meer, Dünen und Bars. Hier treffen vier Paare ganz unterschiedlichen Alters aufeinander: zwei Teenager im Rausch der ersten Liebe, eine 35-Jährige auf der Suche nach einem neuen Glück, eine gelangweilte Hausfrau , die sich ins Abenteuer stürzt, und ein altes Ehepaar, das sich noch genauso liebt wie am ersten Tag. All diese Menschen begegnen sich, ohne zu wissen, dass ihre Geschichten eng miteinander verwoben sind und ihre Schicksale sich gegenseitig beeinflussen. Bis es während des Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag zu einem dramatischen Höhepunkt kommt.

 

MEINE MEINUNG

Grégoire Delacourt hat bisher viele positive Stimmen auf seine bisherigen Romane erhalten. Einige seiner bisherigen Bücher sprachen mich sogar an. Jedoch ging es nie so weit, dass ich jemals ein Buch des Autors gelesen hätte. Wie jedoch so oft im Leben eines Lesers, sollte man irgendwann zumindest versucht haben, alles einmal auszuprobieren. Und wie so oft fragt man sich hinterher: Warum nicht schon früher?

An den letzten Tagen des Sommers erklärte ich meinem Sohn, dass Liebeskummer auch eine Form von Liebe ist. Dass auch in der Wehmut noch Glück liegt. Und dass ein Scheitern in der Liebe niemals nur ein Scheitern ist. S. 90

Genau so ging es mir mit Delacourts aktuellem Roman „Die vier Jahreszeiten des Sommers“, in denen sich der Autor mit vier verschiedenen Liebespaaren unterschiedlichen Alters auseinandersetzt und vier Schicksale aufzeigt, die berührender nicht sein könnten. In jeden einzelnen Charakter und in jedes einzelne Pärchen kann man sich als Leser hineinversetzen, ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen, ihre Leiden und Freuden nur allzu gut verstehen. Aufgrund der Kürze des Buches sind auch die Abschnitte der einzelnen Paare nie von langer Dauer. Dennoch gelingt es Delacourt gekonnt Blicke sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu werfen und den Fokus trotzdem auf die Gegenwart, jenem 14. Juli 1999 in Le Touquet, zu legen. Die Geschichten, die man dabei kennenlernt sind unglaublich interessant, eindringlich und herzerwärmend. Durch charmante und geschickte Verbindungen dieser vier Geschichten bekommt der Leser zudem einige Szenen nochmals aus einem anderen Blickwinkel präsentiert.

Grégoire Delacourt hat einen wunderbaren leichten und dennoch poetischen Schreibstil, mit einer melancholischen Grundstimmung, die trotzdem die Leichtigkeit des Sommers darstellt. Bildliche Verbindungen, Symbole in Formen von Blumen und kleine, aber herzergreifende Episoden runden diesen Roman ab. Dabei geht es – wie sich unschwer erahnen lässt – um Beziehungen und die Liebe. Die Liebe mit all ihren unterschiedlichen und vielschichtigen Phasen, Entwicklungen und Facetten, die sie im Laufe der Zeit zeigt. Trotz der gerade einmal knapp 200 Seiten hat „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ eine faszinierend ausgereifte Thematik und bietet eine gut durchdachte Geschichte. Ein Punkt, der mich persönlich sehr überraschte, da ich in es in dieser Form einfach nicht erwartet habe. Und genau deshalb stellt sich mir die eingangs gestellte Frage: Warum nicht schon früher ein Roman von Delacourt?

 

ZUSAMMENFASSEND

Wie so oft muss man es immer erst versuchen und einer Geschichte eine Chance geben, einem von sich zu überzeugen. Grégoire Delacourt hat dies mit „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ geschafft und mir vier verschiedene, aber sehr berührende Liebesgeschichten präsentiert, die schöner, unterschiedlicher und eindringlicher nicht sein könnten. Ich bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Roman von Delacourt gewesen ist.

5/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Atlantik Verlag | Juli 2016 | 192 Seiten |  Einzelband | Hardcover | 18,00 EUR
Originaltitel: Les quatre saisons de l’été | übersetzt von Claudia Steinitz

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