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Anna Pfeffer – Für dich soll’s tausend Tode regnen

Wer Emi auf die Nerven geht, dem verpasst sie in Gedanken eine Todesart. Und seit dem Umzug weiß sie nicht, wer mehr nervt: die Neue ihres Vaters, die sich ernsthaft in der Mutterrolle sieht, ihr Strahlemann von Bruder, der das auch noch gut findet (stirbt bestimmt mal, weil er auf seiner Schleimspur ausrutscht), oder Erik, Alphatier an ihrer neuen Schule, der einen auf cool macht und sie ständig provoziert (stirbt garantiert an einem Hirntumor wegen übermäßigen Handykonsums). Als sie sich in Chemie mit Alpha-Erik anlegt, kracht es wortwörtlich zwischen den beiden. Die Strafe dafür sind acht Samstage Graffiti schrubben. Mit Erik! Kann das Leben noch beschissener sein? Um aus der Nummer rauszukommen, schlägt Emi einen Wettstreit vor. Doch Erik ist nicht kleinzukriegen. Emi wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass es gar nicht so nervig ist, Zeit mit Erik zu verbringen …

MEINE MEINUNG

Nein, ich wusste noch nicht, was ich sein wollte, weil ich ja nicht einmal wusste, wer ich sein wollte, weil ich einfach nur ich war, und niemand sonst, und es auch gar nicht so einfach war, ich zu sein, sondern ziemlich schwierig und die meiste Zeit auch ziemlich scheiße. S. 98

„Für dich soll’s tausend Tode regnen“ ist das Verlagsdebüt von Anna Pfeffer, das sich auf sehr humorvolle Weise um Emi und ihren persönlichen Wahnsinn in Hamburg dreht.

Dass Emi keine Frohnatur ist, sondern eher der schlechtgelaunte Teenager bekommt man als Leser schnell mit. Ein unfreiwilliger Umzug und eine neue Frau an der Seite ihres Vaters, der als Therapeut das Verhalten seiner Kinder genauestens analysiert. Ein nervtötender Sunnyboy als Bruder und nervige Klassenkameraden tragen ebenfalls nicht unbedingt zu ihrer Stimmung bei. Trotzdem war Emi eine Protagonistin, die ich unglaublich sympathisch fand. Sie passt nirgendwo richtig rein und das will sie auch gar nicht. Ihre Andersartigkeit war an dieser Stelle sehr erfrischend. Erik ist ein ziemlich verschlossener Charakter und um ihn kreisen mehr Gerüchte als man Wahrheiten kennt. Mit ihren Challengeaufgaben, die man als Leser mit einem gewissen Spaßfaktor verfolgt, locken sie den anderen aus der Reserve und lernen sich dadurch besser kennen. Und je länger sie diese Challenge bestreiten, desto mehr bekommt man mit, dass die beiden sich gar nicht so unähnlich sind, wie zunächst gedacht.

Bei Anna Pfeffer handelt es sich um das Pseudonym zweier Autorinnen. Dass hier zwei Menschen am Werk waren, merkt man dem Buch jedoch zu keiner Sekunde an. Die beiden Autorinnen Carmen Schmit und Ulrike Mayrhofer scheinen wunderbar zu harmonieren. Sie haben eine charmante, frische und witzige Art zu schreiben. Und wenn ich sage witzig, meine ich witzig, denn das Buch war so unglaublich unterhaltsam, dass ich einige Male laut gelacht habe. Besonders lustig war es zu lesen, welche Todesarten sich Emi für ihre Mitmenschen ausdenkt, von denen eine skurriler als die andere ist. Eigentlich ist der Tod ja ein ernstes Thema, über den man in der Regel auch nicht zu lange nachdenken und gar nicht erst reden möchte. Aber ganz ehrlich: noch nie hat der Tod so viel Spaß gemacht wie in diesem Buch.

Doch es ist nicht nur dieses leichte Jugendbuch mit einem witzigen Thema. Es ist auch ein bisschen die Liebe, die persönliche Selbstfindung, das Anderssein, die neuen Wege und das Überschreiten von persönlichen Grenzen, die dieses Buch anspricht. Und das alles ist mit genau der richtigen Portion Sarkasmus, Ironie und Zynismus verpackt, dass man sich in dieses Buch einfach nur fallen lassen kann und dabei eine Menge Spaß hat.

ABSCHLUSSWORTE

Wenigstens im Sterben sind wir alle gleich. S. 221

Ihr Verlags- und Jugendbuchdebüt ist Anna Pfeffer durchaus gelungen, denn „Für dich soll’s tausend Tode regnen“ ist genau die Art von Jugendbüchern, die ich lesen möchte. Es ist ein unterhaltsames Buch, das mit der etwas anderen Protagonistin Emi sehr viel Spaß bereitet und das einen viele Male zum Lachen bringen wird. Der erfrischende und charmante Schreibstil der zwei Autorinnen und eine sehr große Portion an Sarkasmus runden das Buch ab und eignet sich daher perfekt für die grauen Herbsttage. Eine eindeutige Leseempfehlung für die Jugendbuchfans unter uns.

5/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

CBJ Verlag | September 2016 | 320 Seiten | Einzelband | Paperback/Klappenbroschur | 14,99 EUR

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