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Paula Hawkins – Girl on the Train

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht. Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse …

MEINE MEINUNG

Das Leben ist kein Absatz und der Tod ist keine Klammer. S. 19

Es wurde viel Wind um „Girl on the Train“ gemacht. Letztendlich konnte ich mich dem Buch nicht entziehen, da ich immer wahnsinnig interessiert daran bin, was wirklich hinter dem Hype steckt. Der Erzählstil der Geschichte gefiel mir gut. Die Szenen sind zeitlich abgegrenzt mit Datumsangabe sowie den Tageszeiten morgens/nachmittags/abends. Das war wie eine Art Tagebuch oder Protokoll der Ereignisse. Paula Hawkins erzählt die Geschichte aus der Sicht von Rachel, aus der von Jess, die eigentlich Megan heißt, sowie aus der von Anna, die neue Frau von Rachels Ex-Mann. Dabei gibt sie allen drei Frauen gleich viel Raum, sodass man nicht unbedingt nur von Rachel als Hauptprotagonistin ausgehen kann.

Sie sind allesamt schwierige Charaktere, die beim Leser nicht unbedingt Sympathien wecken dürften. Rachel hat seit einigen Jahren mit einem Alkoholproblem zu kämpfen. Ihr Mann hat sie deswegen für eine andere verlassen. Durch die Trinkerei hat sie zudem auch ihren Job verloren. Sie versucht den Schein aufrecht zu erhalten, in dem sie immer noch so tut, als würde sie jeden Morgen zur Arbeit fahren. Sie steigt in den Zug, nur um abends wieder zu ihrer Mitbewohnerin zurückzukehren. Rachel lebt eindeutig in ihrer eigenen Welt, was sich auch dadurch abzeichnet, dass sie sich diese Geschichten zu Megan und Scott alias „Jess und Jason“ ausdenkt. Anfangs empfindet man vielleicht noch eine Art Mitleid für sie, aber sie begeht einfach immer und immer wieder dieselben Fehler, sodass man sie sehr schnell einfach nur schütteln möchte.

Anna und Megan sind allerdings auch nicht unbedingt die Heldinnen des Romans. Megan hat ein traumatisches Erlebnis aus Jugendjahren nie wirklich verarbeitet, sodass sie bis heute nicht immer nachvollziehbare Sachen macht. Anna wirkt mit ihrer Paranoia und ihrem Beschützerinstikt um ihr Kind eher nervig. Je weiter man liest, desto mehr bekommt man das Gefühl, dass jeder hier in der Geschichte einen psychischen Knacks weg hat.

Die Geschichte beginnt sehr langsam mit einer Einführung in Rachels Leben, ihren Gewohnheiten, ihrer Vergangenheit sowie ihrer Fantasie bezüglich Megan und Scott. Richtig interessant wurde das Ganze aber erst, als Megan plötzlich verschwindet. Rachel war an diesem Abend in der Nähe von Megan, hat aber keinerlei Erinnerung mehr daran, was passiert ist, weswegen sie der Sache auf den Grund gehen will. Sie versucht Stück für Stück zu rekonstruieren, was an diesem Abend geschehen ist, versucht die Lücken zu füllen und muss sich dafür nicht nur mit den letzten Tagen, sondern mit ihrer gesamten Vergangenheit auseinandersetzen und wie ihr Leben letzten Endes den Bach runter ging.

Das Buch hat mich durchaus gefesselt und ich wollte schon wissen, was mit Megan passiert ist und was Rachel damit zu hat. Aber die Handlung wies zwischendurch einige Längen auf, die es zu überbrücken galt, gerade wenn Rachel mal wieder dabei war sich zu betrinken und es mich leider überhaupt nicht mehr interessiert hat, was dann mit ihr passiert oder wie es ihr geht. Zum Schluss macht es die Autorin nochmal spannend, auch wenn ich mir relativ früh denken konnte, was passiert ist. Das hat dem Ganzen ein bisschen den Spaß wieder genommen. Den Weg zur Lösung hat Paula Hawkins aber verständlich und lückenlos dargestellt ohne dabei zu übertreiben.

ABSCHLUSSWORTE

Bei „Girl on the Train“ nehmen vor allem die Charaktere viel Raum ein. Im Endeffekt erzählen sie alle auf ihre eigene Art und mit ihren Wahrnehmungen die gleiche Geschichte. Dabei ecken sie immer wieder an und manchmal ist ihnen offenbar nicht mehr zu helfen, sodass sie nicht unbedingt Sympathien wecken werden. Was das Ganze aber wiederum in einem interessanten Licht erscheinen lässt, da einem hier nicht die heile Welt vorgespielt wird, wie es sonst oft der Fall ist. Das Buch ist für mich kein richtiger Thriller, aber auch kein Krimi. Es ist eine Art Spannungsroman, der zwar einige Längen aufweist, sich aber um die alles entscheidende Frage was wirklich geschehen ist durchaus lesen lassen kann.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Blanvalet Verlag | Juni 2015 | 446 Seiten | Einzelband | Broschiert | 12,99 EUR
Originaltitel: The Girl on the Train | übersetzt von Christoph Göhler

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2 Comments

  • Reply Anja Druckbuchstaben

    Huhu Ela =)

    Ich lese das Buch auch gerade, das heißt ich hab es eigentlich so gut wie durch. Mir gefällt am Buch nicht, dass die ersten 3/4 sich so unheimlich ziehen. Es geht ständig um menschliche Schwächen und Beziehungen und das ganze dreht sich irgendwie im Kreis. Durch die Blackout Situation, kommt die Geschichte einfach nicht voran und ich war wriklich ein bisschen genervt. Auf den letzten Seiten wird es endlich spannend.
    Leider war ich gestern Abend zu müde und konnte es nicht zu Ende lesen. Aber heute ist es fällig! Ob es bei mir für 4 Sterne reicht, kann ich noch nicht sagen =)

    LG
    Anja

    23. Juli 2015 at 8:58
  • Reply Elas Leselounge

    Huhu Anja,
    ja, das ist tatsächlich ein Problem, ich wil auch nicht bestreiten, dass durchaus einige Längen in der Handlung vorhanden sind. Aber ich persönlich fand das Buch trotzdem sehr spannend und habe es ziemlich schnell durchgelesen. Deswegen gab es von mir trotzdem noch 4 Punkte. Aber gerade bei so extrem gehypten Büchern gehen die Meinungen ja oft weit auseinander. Ich hoffe, dass es dir noch etwas zusagt 🙂

    Liebe Grüße, Ela

    23. Juli 2015 at 12:01
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