Jutta Maria Herrmann – Hotline

Paula, Rick, Chris und Konrad haben die Beicht-Hotline ins Leben gerufen. Der Sinn der Hotline: Jeder kann dort anrufen und kann sich ganz anonym alle Dinge, die ihn belasten von der Seele reden, schlechte Gedanken loswerden, begangene Fehler gestehen oder sogar Gesetzesverstöße egal welcher Art zugeben. Die Anrufer werden nicht verurteilt und haben erst Recht nichts zu befürchten.  Denn die oberste Priorität der Hotline lautet: Keine Polizei. Niemals. Doch was, wenn plötzlich eine Frau anruft und ankündigt, ihr neugeborenes Baby lebendig begraben zu wollen? Zählt dann diese Regel immer noch?

MEINE MEINUNG

Nichts wird bleiben von dir. Außer der Erinnerung an mich. S. 73

Bei „Hotline“ bekommt man das, was drauf steht: einen Psychothriller. Natürlich findet man auch hier etwas Blut und ein paar Leichen, aber der Fokus der Geschichte liegt viel mehr auf den einzelnen Personen, deren Handlungen und Beweggründe. Bei dem Buch spielt sich eindeutig vieles im Kopf ab, der Psychothriller-Effekt zieht sich langsam durch die Seiten, bis sich das Spiel mit den vier Hauptcharakteren zu ihrem Höhepunkt steigert. Gerade zum Ende hin, verfliegen die Seiten nur so. Ich wollte wissen was passiert und wie es ausgeht.

Die Charaktere waren vom Grund her gut ausgearbeitet. Von Chris und Konrad bekommt man nicht ganz so viel mit. Die Hotline ist Chris‘ Baby und er bemüht sich sehr, sie am Laufen zu halten. Konrad ist Musiker und träumt davon mit seiner Band Karriere zu machen. Er gehört zwar zum Team der Hotline, bringt sich aber eher weniger dort ein. Etwas besseren Zugang habe ich zu Paula und Rick gefunden. Paula ist die einzige Frau im Leitungsteam. Sie ist schwanger von Konrad und freut sich auf das Baby und ihre Familie, weil sie als Kind nie eine hatte. Rick ist der beste Freund von Chris und er ist derjenige der den Anruf der Frau in der Hotline entgegennimmt. Er ist sehr fürsorglich, was sicherlich auch ein Stück weit an seiner Vergangenheit und seinen Familienverhältnissen liegt. Alle vier wohnen zusammen in einer WG und glauben sich zu kennen. Doch einer von ihnen hat ein Geheimnis, das die anderen nicht wissen. Dafür aber die anonyme Frau, das sie sich zu Nutze macht, bis sie alle vier in die Fänge dieser Frau und damit in Gefahr geraten.

Während die Charaktere lange herumgerätselt haben, wer denn die Anruferin ist, hatte ich ca. ab Seite 200 meinen Verdacht. Auch ihre Beweggründe waren mir dann relativ schnell klar. Und obwohl ich das alles schon wusste, konnte die Autorin den Spannungsbogen halten, einfach weil ich wissen wollte, wie es ausgeht und ob die Täterin gestoppt werden kann. Das Ende wurde gut aufgelöst und es hat sich für mich alles aufgeklärt. Das Einzige was mich ein kleines bisschen gestört hat, war das es dann etwas offen war. Ich will jetzt natürlich nichts verraten aber, die Autorin hat zum Ende hin ein Kapitel eingeschoben, wo ich mir jetzt nicht ganz sicher bin, ob da noch was folgt oder ob es das jetzt war.

ABSCHLUSSWORT

Das Debüt ist Jutta Maria Herrmann auf jeden Fall gelungen. An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht noch etwas mehr von Chris und Konrad mitzubekommen. Das Ende hat mich auch etwas irritiert, weil es so leicht offen war. Ansonsten sollte man das Buch ruhig in Erwägung ziehen, denn das Buch ist unheimlich spannend und man rätselt und fiebert mit den 4 Hotlinern mit, wer die Frau ist und was für ein Spiel sie wirklich treibt.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Knaur Verlag | November 2014 | 331 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR

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