Paula Hawkins – Into the water

»Julia, ich bin’s. Du musst mich anrufen. Bitte, Julia. Es ist wichtig …« In den letzten Tagen vor ihrem Tod rief Nel Abbott ihre Schwester an. Julia nahm nicht ab, ignorierte den Hilferuf. Jetzt ist Nel tot. Sie sei gesprungen, heißt es. Julia kehrt nach Beckford zurück, um sich um ihre Nichte zu kümmern. Doch sie hat Angst. Angst vor diesem Ort, an den sie niemals zurückkehren wollte. Vor lang begrabenen Erinnerungen, vor dem alten Haus am Fluss, vor der Gewissheit, dass Nel niemals gesprungen wäre. Und am meisten fürchtet Julia das Wasser und den Ort, den sie Drowning Pool nennen …

MEINE MEINUNG

Vor zwei Jahren konnte mich Paula Hawkins Debüt „Girl on the train“ mit wenigen Abstrichen durchaus begeistern. Und wenn mich ein Buch eines Autors/einer Autorin begeistern kann, greife ich für gewöhnlich auch immer zu den Folgeromanen in der Hoffnung, nochmal so überzeugt zu werden.

Der Einstieg in „Into the water“ ist sehr verwirrend und sorgt zeitweise für Irritation. Ohne Hintergrundinformationen ist man sofort im Geschehen und befindet sich an der Stelle, wo Julia zurück ins von ihr verhasste Beckford kehrt, nachdem sie vom Tod ihrer Schwester Nel erfahren hat. Zudem werden dem Leser hier mindestens zehn verschiedene Sichtweisen präsentiert, die entweder aus der Ich-Perspektive oder vom auktorialen Erzähler erzählt werden. Hin und wieder gibt es Teile aus dem Buch der kürzlich verstorbenen Nel, welches sich mit dem Drowning Pool in Beckford und den verschiedenen Frauen, die dort ums Leben gekommen sind, beschäftigt. Ja, ich will nicht lügen. Der Einstieg verläuft tatsächlich etwas schleppend und verlangt einiges an Geduld und Konzentration, bis man sich einen ersten Überblick verschafft hat. Abhilfe leistet Paula Hawkins jedoch, in dem sie den Namen des jeweiligen Charakters als Kapitelüberschrift darstellt. Einen richtigen Hauptprotagonisten auszumachen, erweist sich dennoch als äußert schwierig. Und wie bei Hawkins Debüt, wecken die Charaktere nicht immer die großen Sympathien.

Trotz dieser kleinen Startschwierigkeiten, konnte mich auch der zweite Roman gesamt gesehen durchaus packen und unterhalten. Alles ist ein bisschen mysteriös, es treten viele Ungereimtheiten auf, die teilweise bis in die Vergangenheit zurückreichen. Wie schon bei „Girl on the train“ ist es schwierig auszumachen, wer hier die Wahrheit sagt und wer lügt. Zudem spielt die Autorin viel mit Erinnerungen und den persönlichen statt tatsächlichen Wahrheiten. Und die persönlichen Wahrheiten und der Glaube, alles richtig gemacht zu haben, ist hier oft ein Thema. Beim Lesen entwickelte sich bei mir irgendwann ein regelrechter Sog, indem ich die einzelnen Sichten und Geschichten in einen Zusammenhang bringen und die Wahrheit wissen wollte. Man muss sich Stück für Stück durch die Handlung arbeiten, damit die einzelnen Puzzleteile ein Bild ergeben.

Zugegeben, dieses Buch ist es jetzt nicht fesselnd im Sinne von dass man hier große Überraschungsmomente erlebt. Diese Momente waren tatsächlich eher gering. Aber „Into the water“ ist spannend in dem Sinne, dass man die einzelnen Dinge in den Zusammenhang bringt. Die Story ist dabei gut durchdacht und logisch aufgebaut mit einem stimmigen und dann doch etwas überraschendem Ende.

ABSCHLUSSWORTE

Wie „Girl on the train“ ist auch dieses Buch für mich kein Thriller, sondern genau das, was draufsteht: Ein (Spannungs-) Roman. Wer hier viel Action und Co. erwartet, wird definitiv enttäuscht sein, wodurch ich mir jetzt auch einfach mal einige negative Rezensionen erkläre. Wer aber dem Debüt von Paula Hawkins schon ein bisschen was abgewinnen konnte, wird sicherlich auch mit „Into the water“ gut bedient sein. Eine raffinierte Handlung und das Spielen mit verschiedenen Wahrheiten, machten dieses Buch für mich nach kleinen Startschwierigkeiten nämlich durchaus lesenswert.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Blanvalet Verlag | Mai 2017 | 480 Seiten | Einzelband | Broschiert | 14,99 EUR
Originaltitel: Into the water | übersetzt von Christoph Göhler

2 Comments

  1. Liebe Ela,
    Jetzt bringst du mich aber ein bisschen ins Ungleichgewicht. Ich habe bisher immer Abstand von diesem Buch gehalten, weil niemand wirklich etwas Gutes dazu zu sagen hatte.. aber jetzt kommt deinendoch recht positive Rezension. Vielleicht muss ich doch mal reinlesen und mir ein eigenes Bild davon machen, denn Girl in the Train hat mir damals wirklich gut gefallen.

    Liebst, Lotta

  2. Hallo.
    Immer wenn ich im Supermarkt am Buchregal vorbei gehe sehe ich das Cover von diesem Buch, das ich wirklich klasse finde. Leider war ich mir von Klappentext nie sicher, ob mir der Inhalt interessiert.
    Dank Ihrer Rezension weis ich es jetzt.
    Daher: Danke für diese Rezi.

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