Auf jede Nacht folgt ein Tag
Das Leben könnte so einfach sein. Wäre es manchmal nicht so verdammt schwer. Jana schläft am liebsten unter dem Bett. Collin friert gerne. Jana wünscht sich vertraute Menschen um sich herum. Collin möchte mit anderen Leuten nichts zu tun haben. Auf Sylt begegnen sich die beiden in einem Wohnprojekt und leben für die nächsten zwei Jahre Zimmer an Zimmer. Da ist eine Mauer, die sie trennt. Und eine Tür, die sie verbindet.
 

MEINE MEINUNG

‘Die unvergesslichsten Momente im Leben sind immer jene, in denen man sich selbst überrascht.’ S. 157

Ich habe weder „Kirschroter Sommer“ noch „Türkisgrüner Winter“ der Autorin gelesen und kann daher keine Vergleiche zu diesem Buch ziehen. Aber ich kenne die positiven Meinungen der Bücher und über die Autorin. Vermutlich bin ich daher mit ziemlich hohen und gespannten Erwartungen an „Nachtblumen“ herangegangen.

Überzeugen konnte mich das Buch aber leider nur an wenigen Stellen. Zunächst wären da die Charaktere, von denen es so einige gibt. Manche treten öfter auf, einige sind eher Randfiguren und sind einfach da. Alle haben sie sicherlich eine Geschichte, aber leider erfährt man von vielen nie etwas und das was man erfährt, wirkte auf mich teilweise sehr oberflächlich. Das war etwas schade, denn von manchen hätte ich wirklich gerne mehr erfahren. Selbst die Geschichte von Jana und Collin wird einem erst zum Schluss präsentiert. Dadurch fiel es mir oft schwer, einige Handlungen und Verhaltensweisen – besonders die von Collin – nachzuvollziehen. Collin selbst ist ein sehr faszinierender Charakter. Eigenwillig, mysteriös, geheimnisvoll, aber faszinierend. Ich konnte durchaus nachvollziehen, warum Jana sich zu ihm hingezogen fühlt. Der richtige Sympathieträger ist Collin trotzdem nie. Es fällt schwer, sich auf ihn einzulassen. Jana dagegen macht eine gute und vor allem glaubwürdige Entwicklung durch. Anfangs ist sie zurückhaltend, verschüchtert und steht sich mit ihren Ängsten selbst im Weg. Zum Ende lernt sie wieder zu leben und hilft sogar anderen.

Und vielleicht waren Schwierigkeiten, welcher Art auch immer, genau das, worauf es im Leben ankam. Dinge, die einem zu leichtfielen, konnten schließlich nicht von großer Bedeutung sein. S. 436

So gut ausgearbeitet ich Jana fand und so sehr ich sie auch mochte – sie brachte das Problem einer langweiligen Handlung mit sich. Denn die Geschichte selbst war über 350 Seiten nicht wirklich mitreißend. Es passierte seitenlang so gut wie nichts, alles plätscherte nur so vor sich hin. Spannungsmomente blitzten gelegentlich durch, waren aber schneller wieder weg, als man gucken konnte. Jana kommunzierte nicht wirklich und zeigte auch sonst kein sehr aktives Verhalten. Klar, dieses Verhalten passt zu ihrem Charakter. Aber leider fand ich es trotzdem unspektakulär, sodass das Buch auch mal einige Tage ungelesen auf dem Nachttisch lag. Weil mich einfach nicht interessiert hat, wie es weitergeht. Erst auf den letzten 100 Seiten, als Jana sich schon etwas verändert hat und man endlich einige Hintergrundinfos zu ihr und Collin bekommt, fand ich die Handlung annährend interessant.

Es ist von der Thematik her kein leichtes Buch. Da gibt es unschöne Familiendramen, sehr viele Ängste und noch mehr gebrochene Persönlichkeiten. Nicht jedem liegt so etwas. Ich selbst habe damit keine Probleme, aber irgendwie fehlte der Funke. Auch fehlten mir die zu diesen Themen dazugehörigen Emotionen oder sie sind einfach nicht bei mir angekommen. Obwohl es handlungsmäßig für mich sehr dahinplätscherte, mochte ich dagegen den Schreibstil von Carina Bartsch doppelt. Er ist ruhig, nachdenklich und ausführlich. Okay, manchmal zu ausführlich, aber die Auorin trifft mit ihrem Stil teilweise mitten ins Herz. Vielleicht habe ich deswegen weitergelesen. Weil ich den Schreibstil und die vielen wahren Aussagen in diesem Buch mochte.

 

ZUSAMMENFASSEND

‘Vielleicht ist es manchmal gut, dass man nicht weiß, wie etwas ausgeht, weil es sonst niemals bunt werden könnte.’ S. 21

„Nachtblumen“ ist mal wieder so ein Buch, bei dem mir die Bewertung schwer fällt. Es hatte eine interessante Grundthematik und einen schönen Schreibstil. Leider täuscht das nicht über den Punkt hinweg, dass viel Potenzial verschenkt wurde und das Buch zwar viele Worte enthält, aber leider relativ wenig dahinter ist. Mehr als die Hälfte passierte leider so gut wie nichts, es plätscherte vor sich hin und war sehr schnell langweilig. Auch fehlten mir oft die Emotionen. Viele Probleme wurden nur oberflächlich oder erst gar nicht angesprochen, sodass oft die Tiefe fehlte. Erst die letzten 100 Seiten konnten mich etwas mitreißen. Gesamt gesehen hat mir das aber nicht gereicht, da es mehr Punkte gab, die mich störten als dass sie mich überzeugt hätten.

2/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Rowohlt Verlag | Juni 2017 | 544 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR

3 Replies to “Carina Bartsch – Nachtblumen”

  1. Oh schade, das Buch klang sehr vielversprechend. Ich finde es immer schwierig ein Buch zu bewerten, wenn einen der Schreibstil packt, aber die Geschichte an sich nicht…

    1. Hallo Saskia,
      da gebe ich dir Recht, die Bewertung fiel mir an dieser Stelle auch nicht leicht. Der Schreibstil war wirklich toll, ein Grund warum ich es sicherlich auch nochmal mit “Türkisgrüner Winter” und “Kirschroter Sommer” probieren möchte. Aber leider fand ich die Geschichte sehr lange ziemlich langweilig, da konnte auch der tolle Schreibstil nicht mehr viel rausreißen.

      Alles Liebe,
      Ela

  2. Liebe Ela,
    Ich habe die ersten beiden Bücher von der Autorin nie gelesen, weil sie mich trotz des Hypes irgendwie nicht besonders interessiert haben und wenn ich jetzt die Rezension zu diesem Buch lese, bin ich mir sicher, dass auch dieses nichts für mich sein wird. Ich wollte es eigentlich lesen, weil alle immer über die anderen beiden geschwärmt haben und mich der Klappentext angesprochen hat, aber so? Herzlichen Dank für deine gute Rezension. 🙂
    Du hast mich vor einem Buch bewahrt, über dass ich mich vermutlich nur geärgert hätte. 🙂

    Liebst, Lotta

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