Lara kann nicht aufhören zu reden. Ein Zwang treibt die an Amnesie leidende junge Frau dazu, ihre Erinnerungslücken mit Worten zu füllen. Längst hört ihr keiner mehr zu, außer in den Therapiestunden, die sie als Patientin der Psychiatrie bekommt. Bis sie Thomas findet. Lara weiß, es ist falsch, ihre Verzweiflung über ihre Amnesie auf ihn abzuladen, denn Thomas liegt im Koma. Dennoch schleicht sie sich immer wieder zu ihm und bemerkt bald, dass er auf ihre Stimme reagiert. Lara beschließt, Thomas eine Geschichte zu erzählen: eine Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm, die bald für beide realer wird als ihr Dasein im Krankenhaus. Ein Traum von Liebe, an den sich beide klammern und der die Kraft hätte, nicht nur Thomas aus der Dunkelheit zu holen, sondern auch Lara. Doch beide ahnen nicht, was für eine erschütternde Wahrheit in den Tiefen von Laras Geschichte auf sie wartet …

 

MEINE MEINUNG

Die Idee hinter „Träume, die ich uns stehle“ war schön und hätte wirklich gut umgesetzt werden können. Mit der Umsetzung von Lily Oliver hatte ich aber leider so meine Probleme.

Nachdem Lara herausgefunden hat, dass der im Koma liegende Thomas auf ihre Stimme reagiert, beginnt sie ihm eine Geschichte zu erzählen. Damit stillt sie nicht nur ihren permanenten Drang zu reden, sondern hilft damit gleichzeitig auch Thomas, der positiv auf Laras Stimme reagiert. Mit der Geschichte versucht Lara sich an die letzten zwei Jahre, die ihr fehlen, zu erinnern. Sie vermischt die Realität aus ihrer Vergangenheit und den Infos, die sie aus Thomas Blog hat mit der Fiktion. Das Problem hinter diesen Geschichten war für mich, dass ich oft nicht erkennen konnte, was nun wirklich Realität und was wirklich Fiktion ist. Den Überblick sowohl aus Laras als auch aus Thomas Vergangenheit und dem Erfundenen zu behalten, viel mir sehr lange unglaublich schwer. Auch der Übergang zwischen dem Geschichtenerzählen und der Realität war oft fließend, sodass ich mehrmals am überlegen war, ob Lara nun noch die Geschichte erzählt oder nicht. Leider kamen auch die Emotionen nicht wirklich bei mir an. Im Gegenteil – Laras Redezwang empfand ich irgendwann eher als anstrengend und nervig, als dass sie mit ihrer Krankheit und ihren Geschichten, die ihr ja eigentlich bei der Genesung helfen sollten, irgendwelche Emotionen bei mir hervorrufen konnte.

Es hat sehr lange gedauert bis mir das Buch wirklich zugesagt hat. Besonders in der ersten Hälfte war ich oft geneigt, das Buch abzubrechen, da mich die Story nicht wirklich packen konnte. Erst viel später, schätzungsweise im letzten Drittel, empfand ich die Handlung als spannend. Dass mich das Buch so lange nicht begeistern konnte, lag einerseits an den oben erwähnten Problemen mit Laras Geschichten. Andererseits wurde Laras Krankheitsbild um ihren Redezwang zu Beginn sehr vage gehalten und erst nach und nach aufgedeckt. Klar sollte das irgendwie Spannung erzeugen. Aber ich glaube, es wäre mir leichter gefallen, das Buch zu lesen, wenn ich einige Aspekte eher gewusst hätte. Die Lösung um Laras Problem und ihre Krankheit ist sehr komplex. Hinter Laras Krankheit steckt ein großer psychologischer Aspekt und die Lösung darum, wurde am Ende von der Autorin gut ausgearbeitet und war dann doch sehr faszinierend. Der Weg zu dieser Lösung war für mich aber leider ein langer Weg.

 

ZUSAMMENFASSEND

Die Idee um „Träume, die ich uns stehle“ war wirklich schön und die Auflösung darum gefiel mir gut und war gleichermaßen faszinierend wie erschreckend. Der Weg dahin, war für mich aber sehr schwer. Zu große Probleme hatte ich mit Laras Redezwang und ihren Geschichten, bei denen ich nie wirklich unterscheiden konnte, was Realität und Fiktion ist. Auch hätte ich mir einige Erkenntnisse viel eher gewünscht, da mir die Story dann vermutlich leichter gefallen wäre. Das Ende dieses Buch lohnt sich, aber bis dahin musste ich leider sehr viel Geduld aufbringen.

3/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

Knaur Verlag | November 2017 | 400 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR

2 Replies to “Lily Oliver – Träume, die ich uns stehle”

  1. Die Idee ist gut, aber „Träume, die ich uns stehle“ ist leider trotzdem kein Buch für mich, da ich mich mit undurchsichtigen Wechseln von Gedanken oder Träumen mit der Realität überhaupt nicht anfreuden kann.
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervergleich.org

    1. Hallo Joel,
      ja, deswegen hatte ich leider auch diese Probleme mit der Geschichte, obwohl die Idee wirklich gut war.
      Schade, aber vielleicht klappt es beim nächsten Buch der Autorin 🙂

      Alles Liebe, Ela

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