Unsicher, verängstigt und von Selbstzweifeln geplagt – Melina Royer empfindet sich lange als schüchternsten Menschen auf dem Planeten. Bis sie eines Tages beschließt, sich nicht länger von ihrem Problem blockieren zu lassen, und sich eine Gegenstrategie verordnet: Raus dem Schattendasein, rein ins Leben. Sie beginnt auf Menschen zuzugehen, gründet ihren eigenen Blog zum Thema Selbstvertrauen, kündigt ihren ungeliebten Job, spricht öffentlich über ihre Schüchternheit. Stück für Stück kämpft sie sich aus ihrem Kokon hervor. Melina Royers Erfahrung: Wir müssen es nicht hinnehmen, dass unsere Ängste uns beherrschen. Es nicht versucht zu haben, tut viel mehr weh als zu scheitern.

 

MEINE MEINUNG

In „Verstecken gilt nicht“ beschäftigt sich Melina Royer mit den Thema Schüchternheit und versucht ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, um diese zu überwinden. Und die Autorin weiß wovon sie da schreibt, denn ihre eigene Schüchternheit wurde ihr jahrelang zum Verhängnis. Selbstironisch und ehrlich beschreibt sie Situationen, in denen die Schüchternheit ihr Steine in den Weg legte. Bereits nach wenigen Sätzen war mir Melina Royer sympathisch und ich konnte mich sehr gut in sie hineinfühlen. Schüchternheit ist nämlich auch bei mir immer wieder ein Thema. Vielleicht ist es nicht ganz so extrem, wie bei Melina, aber ich habe mich in vielen ihrer eigener Erfahrungen wiedererkannt. Telefonieren? Furchtbar. Vorträge halten? Schon immer meine persönliche Hölle gewesen. Doch Melina Royer beschäftigt sich nicht nur mit der Schüchternheit selbst, sondern auch mit den begleitenden Persönlichkeitsmerkmalen. Perfektionismus? Eindeutig vorhanden bei mir. Introvertiert? Jep, aber sowas von. Hochsensibel? Hmm, hoch vielleicht nicht, aber zumindest sensibel. Es ist interessiert, wie viele dieser Merkmale, mit Schüchternheit im Zusammenhang stehen, was mir vorher gar nicht so bewusst war.

Wer hat ein Regelbuch dafür herausgegeben, wie man „richtig“ aussieht? Die „Vogue“? Na super, aber wenn ich da mithalte, werde ich auch nicht mehr für das geliebt, was ich bin. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Affentheater. Entweder ich mache das für mich selbst oder lasse es ganz. Kapitel: Wie sich Perfektionismus auswirkt, S. 56

Neben ihren eigenen Erfahrungen lässt die Autorin auch einige andere Frauen in ihrem Buch zu Wort kommen, die ebenfalls von Situationen mit ihrer Schüchternheit erzählen. Außerdem streut Melina Royer immer wieder passende Zitate in ihren Text ein. Beides eine sehr schöne Idee. Außerdem hat mir sehr gut gefallen, dass Melina den Leser persönlich anspricht. Hat sich ein bisschen so angefühlt, als würde man mit der Autorin persönlich reden.

Melina Royer sagt selbst, dieses Buch ist ein Mutmach-Buch. Und das ist es auch. Nachdem sich die Autorin intensiv mit dem Thema Schüchternheit an sich und den Begleiterscheinungen auseinandergesetzt hat, gibt sie immer wieder interessante Tipps für mehr Selbstsicherheit und für das neue Mindset. Außerdem findet man schöne Anregungen, um die Schüchternheit und die um einen herum aufgebaute Mauer langfristig zu überwinden und an der eigenen Schüchternheit zu arbeiten. Die Autorin bringt einem zum Nachdenken – über sich selbst und seine Einstellung.

 

ZUSAMMENFASSEND

Auch wenn sich „Verstecken gilt nicht“ auf interessante, humorvolle Weise mit dem Thema Schüchternheit beschäftigt – Unsicherheit hat jeder irgendwann mal im Leben, weswegen dieses Buch auch gut für Leute geeignet ist, die nicht mit Schüchternheit zu kämpfen haben. Es geht nämlich nicht nur darum, seine Schüchternheit zu überwinden, sondern auch darum, dem eigenen Körper mal eine Pause zu gönnen. Es geht darum zu lernen, sich selbst zu verstehen und Gefühle auch mal näher zu erörtern und zu hinterfragten, statt sie immer nur hinzunehmen. Melina Royer gibt einem wertvolle und interessante Tipps und Anregungen mit auf den Weg, die auch nicht viel brauchen, um sie umzusetzen. „Verstecken gilt nicht” motiviert und macht Mut und sollte ich der Autorin jemals begegnen, werde ich mich bei ihr für dieses Buch bedanken.

Buchliebe ♥


LITERARISCHE INFOS

Kailash Verlag | September 2017 | 224 Seiten | Einzelband | Broschiert | 12,00 EUR

2 Replies to “Melina Royer – Verstecken gilt nicht”

  1. Hallo!
    Sehr schöne Rezension. Genau dieses sich selbst kennenlernen, hat mir auch sehr gut gefallen. Jeder Mensch ist gut so wie er ist. Wenn ich feststelle, dass ich mich in gewissen Situationen so verhalte, wie ich eigentlich nicht möchte, ist es wichtig zuerst zu verstehen warum man das tut.
    Auch die vielen Tipps, die man recht einfach mal ausprobieren kann, haben mir schon viel geholfen.
    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Hallo Sabrina,
      das stimmt, da sind wirklich gute Tipps in dem Buch. Einige habe ich auch schon versucht umzusetzen, auch wenn es z.B. immer sehr viel Überwindung kostet zum Telefon zu greifen als mal schnell ne Mail zu schicken 🙂

      Alles Liebe, Ela

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