Luisa Sturm – Wolkenkuss

Freia könnte schreien! Nicht nur, dass ihre Mutter Hals über Kopf nach München zieht, um mit Falk Berg ein neues Leben zu beginnen. Nein, sie und Schwester Mila sind gezwungen mitzukommen. Nik Berg, ihr neuer Stiefbruder, ist ein einziges Ärgernis! Verwegen, cool und absolut selbstbewusst – ein Bad Boy und Star der Motocross-Szene. Mila ist sofort hin und weg. Seine unbeirrte Art bringt Freia total aus der Spur, doch je mehr sie versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, desto unmöglicher werden ihre Gedanken. Sie spürt das heftige Knistern zwischen ihnen und als Mila die Stadt für ein paar Wochen verlässt, steht Freias Welt plötzlich Kopf …

MEINE MEINUNG

Ich lausche meinem Atem und realisiere, wie wunderschön und bitter, ja grausam es ist, sich zu verlieben. Wahrscheinlich ist es genau das, wovon alle sprechen, wenn sie die große Liebe meinen. Das Wunderschöne und das Grausame. Vereint in einem. S. 202/203

„Wolkenkuss“ verspricht mit seinem Klappentext eine typische Geschichte, die man vom Grundprinzip her so kennt und erwartet. Trotzdem wurde ich von Luisa Sturm und „Wolkenkuss“ ziemlich überrascht.

Nik Berg ist ein Bad Boy, aber eher einer von denen, die man sofort mag. Er hat einen schlechten Ruf, die Mädchen liegen ihm zu Füßen. Er ist als Motocrossfahrer cool, selbstbewusst, etwas arrogant und ist erstaunlicherweise trotzdem ruhig und zurückgezogen. Nik gehört zu der Art von Charakter, die man sehr schnell in sein Herz schließt. Freia als Protagonistin hat mich ziemlich überrascht, da sie zwar mit ihren gerade einmal 17 Jahren noch etwas unerfahren, aber kein stilles Mäuschen ist, das man erst aus der Reserve locken muss. Sie ist taff, schlagfertig und durchaus in der Lage für sich und ihre Meinung einzustehen. Manchmal steht sie sich zwar selbst im Weg, aber wer tut das mit 17 nicht? Nik und Freia gehören zu den Charakteren, mit denen der Leser sympathisieren und sich identifizieren kann. Leider kommt Freias Schwester Mila nicht so häufig vor wie gedacht, was etwas schade ist, da sie für mich eigentlich eine wichtige Rolle in der Geschichte einnimmt. Hier hätte die Autorin Mila ruhig etwas mehr Raum schenken können.

Überrascht hat mich ebenfalls die Tatsache, dass die Geschichte letztlich auf mehreren Zeitebenen spielt. Der Prolog, erzählt aus Niks Sicht, beginnt im Jahr 2005 bis man sich plötzlich im Jahr 2016 wiederfindet und sich fragt, was in diesen 11 Jahren eigentlich zwischen Freia und Nik passiert ist. Man wird neugierig und will die ganze Geschichte erfahren. Und das wird man. Man erlebt mit, wie Nik und Freia sich kennenlernen, wie die Liebe der beiden entsteht, aber auch welche Hürden sie zu meistern haben. Es scheint nämlich so, als wären sie zwar bereit für die Liebe, aber die Liebe noch nicht bereit für sie.

Erzählt wird die Geschichte dabei aus Freias Sicht, wodurch man ihren Zwiespalt und ihre Gefühle nur allzu deutlich erfährt. Luisa Sturm hat dabei einen angenehmen Schreibstil, in den man sich problemlos fallen lassen kann. Ab einem gewissen Punkt, war mir das Hin und Her zwischen Nik und Freia jedoch leider zu viel und einige Umwege und Hindernisse hätten nicht mehr sein müssen. Zum Ende hin konnte ich Freias Entscheidungen nicht mehr ganz nachvollziehen, zumal sie nun auch älter und damit eigentlich reifer sein sollte. Trotz allem hofft man die ganze Zeit, das Nik und Freia es weder sich selber noch dem Leser so schwer machen.

ABSCHLUSSWORTE

„Wolkenkuss“ ist ein verrückter Roman voller Humor und Gefühl, in den man sich durch Luisa Sturms angenehmen Schreibstil problemlos in die Geschichte von Freia und Nik fallen lassen kann. Dabei erlebt man hautnah mit, wie sich die beiden sowohl einzeln auch zu- und miteinander entwickeln. Im Verlauf war mir das Hin und Her am Ende etwas zu viel und manchmal hätte ich mir eine größere Rolle von Freias Schwester Mila gewünscht. Trotzdem zeigt Luisa Sturm mit ihrem mittlerweile dritten Roman, dass sich nicht nur unter den Verlagsgrößen, sondern auch unter den SelfPublishern wahre Schätze befinden, die man lesen sollte.

4/5 Punkte


LITERARISCHE INFOS

SelfPublishing | August 2016 |  406 Seiten | Band 2 | eBook | 0,99 EUR


MONDSCHEINSERIE

Band 1: Mondscheinmund – Band 2: Wolkenkuss

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