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Rezension, Romane

Rezension | Taylor Jenkins Reid – Daisy Jones & The Six

Taylor Jenkins Reid - Daisy Jones & The Six

Daisy Jones, jung, schön, von ihren Eltern vernachlässigt, hat eine klare Stimme und einen starken Willen: Sie möchte mit ihren eigenen Songs auf der Bühne stehen. Als sie zum ersten Mal gemeinsam mit THE SIX auftritt, ist das Publikum elektrisiert von ihr und Billy, dem Leadsänger der Band. Die beiden zusammen sind nicht nur auf der Bühne explosiv und führen die Band zu ihrem größten Erfolg, auch Backstage sprühen die Funken…

– Ullstein Verlag


 

GEDANKEN ZU „DAISY JONES & THE SIX“

Ich habe immer wieder mit DAISY JONES & THE SIX geliebäugelt, war mir aber nie sicher, ob das Buch was für mich ist. Am Ende habe ich mich aber jetzt doch an diesen teils sehr hochgelobten Roman gewagt.

Das Buch ist eine Art Biografie einer fiktiven Band. Und hier muss ich direkt sagen: Hätte die Band bzw. die Charaktere tatsächlich existiert, hätte das Buch vermutlich wesentlich besser funktioniert. So weiß ich jetzt am Ende weder, was ich von dem Buch halten soll noch welche Botschaft oder welchen Sinn die Autorin mir vermitteln wollte. Man begleitet die Band von ihrem kometenhaften Aufstieg, über Höhen und Tiefen des Showbusiness bis hin zu ihrem Zerfall. Es hat sich einfach die ganze Zeit wie eine nüchterne Dokumentation gelesen.

Vielleicht fehlten die Anknüpfungspunkte, wie bei einer richtigen Biografie. Man kennt weder die Charaktere noch die Songs, es fällt also schwer, auch nur irgendwas mit Daisy Jones oder The Six zu verbinden. Generell fehlte es mir hier doch an Tiefe und Gefühl. In der Story und den stereotypen Charakteren wird kein einziges Klischee ausgelassen, vielleicht war es aber tatsächlich so in den 70ern mit dem ganzen Sex, Drugs and Rock’n’Roll Feeling. Es gibt es wenig Überraschungen, die Charaktere und Story sind sehr vorhersehbar, sodass man das unvermeidliche Ende und den mysteriösen Knall, der zur Trennung führte, schon kilometerweit aus der Entfernung erahnen kann. Das führte bei mir dazu, dass ich viele Stellen im Buch einfach langweilig fand. Nicht mal die angebliche Anziehung zwischen Daisy und Lead-Sänger Billie waren greifbar – Spannungen gab es, aber oft in die negative Richtung und oft hat sich das Buch wie eine einzige Hass-Liebe der beiden gelesen.

 

Man braucht jemanden in seinem Leben, von dem man weiß, dass er einen niemals in die falsche Richtung lenken wird. Man muss nicht immer einer Meinung sein. Hin und wieder kann dieser Jemand einem auch das Herz brechen. Aber man braucht mindestens eine solche Person, die einem immer die Wahrheit sagen wird. – Seite 251

 

Auch an den Schreib- bzw. Erzählstil musste ich mich erst gewöhnen, da mir der Interview-Stil doch sehr schwer fiel und ich wirklich lange gebraucht habe, um mich einzufinden. Hat man sich aber erstmal dran gewöhnt, lies es sich relativ leicht lesen. Hinzukommen eine Vielzahl an Charakteren, denn nicht nur Daisy Jones oder die Bandmitglieder von The Six kommen zu Wort, sondern auch Plattenbosse, Ehefrauen, Freunde, Manager, sogar Journalisten. Dadurch erhält man zwar sehr viele Einblicke und verschiedene Blickwinkel, aber alles kratzt nur an der Oberfläche, man kann nicht wirklich Sympathien und erst recht keine Nähe zu irgendjemanden aufbauen. Dadurch – und die gewählte Erzählweise – blieb alles doch eher nüchtern und distanziert.

Aber – und das ist vermutlich der Punkt, warum ich weitergelesen habe – alles wirkte sehr realistisch und authentisch. Ich war zwischendurch immer wieder der Überzeugung, dass es die Band oder Daisy Jones wirklich gab. Und man erhält super interessante Einblicke hinter die Kulissen – Studioaufnahmen, Albenproduktion, ausverkauften Live-Tourneen.

 

KURZ & KNAPP

Ehrlicherweise ist DAISY JONES & THE SIX jetzt kein literarisches Meisterwerk. Es ist nett zu lesen, mehr aber auch nicht. Sowohl die Charaktere als auch die Story blieben mir zu oberflächlich, alles war eher distanziert und nüchtern. Auch mit großen Überraschungen braucht man nicht zu rechnen. Dafür wirkte alles sehr authentisch. Wäre es eine real existierende Band gewesen, hätte das Buch als Biografie perfekt funktioniert. Als Roman mit fiktiven Charakteren kann ich den Hype aber nicht ganz nachvollziehen. Am Ende ist es wohl doch einfach die berühmte Geschmackssache, ob einem das Buch gefällt oder nicht.

Insgesamt
5/10
5/10
  • Story - 3/10
    3/10
  • Charaktere - 3/10
    3/10
  • Schreibstil - 6/10
    6/10
  • Spannung - 4/10
    4/10
  • Authentizität - 9/10
    9/10

 
Bibliografie
Ullstein Verlage – ET: März 2022 – 368 Seiten – Einzelband – Taschenbuch – 12,99 EUR
Originaltitel: Daisy Jones and The Six – übersetzt von Conny Lösch

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