Rezension

JP Delaney – The Girl Before

Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.

 

GEDANKEN ZU „THE GIRL BEFORE“

So viele begeisterte Stimmen. So viele Menschen, die in „The Girl before“ einen raffinierten Thriller sahen. Ich hatte etwas in Richtung wie „Girl on the train“ erwartet, aber weit gefehlt. Dieses Buch scheiterte auf so vielen Ebenen, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Emma und Jane müssen sich als Bewohner in der Folgate Stree 1 nicht nur in Minimalismus üben, sondern auch an die 200 Regeln befolgen. Von den regelmäßig auszufüllenden Tests und Fragebögen und die ganzen Daten, die das Haus über die Lebensweise preisgibt, ganz zu schweigen. Schon alleine diese Ausgangssituation – der Zustimmung, in diesem Haus zu wohnen – war seltsam. Wer würde zustimmen unter solchen Bedingungen zu leben? Mit dem Minimalismus komme ich ja noch klar, aber diese Regeln sind nicht nur sinnlos, sie sind einfach lächerlich. Aber ich dachte – okay, lasse ich mich trotzdem mal darauf ein. Diese ganze Technik, die das Haus beinhaltet, hat ja auch etwas Faszinierendes an sich und wer weiß, wie die Menschheit in 100 Jahren wohnt?

Das Buch wird aus der Sicht von Emma und Jane geschrieben, in dem geschildert wird, wie sie sich beide von Architekt Edward Monkford angezogen fühlen, wie sie beide unweigerlich dasselbe erleben. Ich verstehe, dass das der Sinn der Geschichte ist, aber irgendwann war es langweilig alles doppelt zu lesen. Ich meine, Edward verwendet bei beiden Frauen sogar eins zu eins die gleiche Wortwahl. Manchmal können sich Menschen nicht mal mehr daran erinnern, was sie letzte Woche getan haben, aber Edward Monkford weiß natürlich noch haargenau, welche Worte er damals verwendet hat? Natürlich.

Zudem fragte ich mich immer mehr – was bitte ist mit diesen Frauen los? Ihr Verhalten während des gesamten Buches war einfach nur unlogisch. Bei jedem normalen Menschen würden ab einem bestimmten Zeitpunkt anfangen die Alarmglocken zu schrillen. Nein, Emma und Jane ignorieren es und selbst wenn Edward Monkford kein Mörder ist, ist er trotzdem verrückt. Bei Edward hat sich Delaney übrigens ganz offensichtlich an Christian Grey aus „Shades of Grey“ bedient – genauso gutaussehend, genauso sexuell dominant, genau die gleiche Angst vor Kontrollverlust etc. pp. Aber selbst Christian Grey war damals besser dargestellt, als Edward Monkford hier.

Die Grundidee mit der identischen Geschichte und mit diesem hochmodernen Haus war vielleicht gut, aber je weiter ich las desto mehr bekam ich das Gefühl, der Autor versuche Teile in ein Puzzle zu stopfen, die da eindeutig nicht hineingehörten. Und dann mal abgesehen von dem unterschwelligen Rassismus – es wurden so viele Themen, ernste Themen!, angeschnitten, die teilweise einfach nicht passten und oberflächlich waren. Das Ende wurde zwar entwirrt und klar dargestellt, war letztlich aber genauso transparent und paradox, wie der Rest der Geschichte.

 

ZUSAMMENFASSEND

„The Girl before“ ist ein Buch, das für mich auf so viele Weisen nicht funktionierte. Die Ausgangssituation war absurd, das Verhalten der Frauen unlogisch und die Geschichte irgendwann langweilig. Selbst das Ende konnte mich nicht überzeugen. Es ist ein missglückter Versuch, Erotik und Thriller zu kombinieren. Sorry Delaney, vielleicht wird das nächste Buch ja besser.


{Werbung} Infos zum Buch

Penguin Verlag || ET: April 2017 || 400 Seiten || Einzelband || Klappenbroschur || 13,00 EUR
Originaltitel: The Girl before || übersetzt von Karin Dufner

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Penguin Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere, dass meine Daten bei Abschicken des Formulars gespeichert werden.