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Triggerwarnungen in Büchern – und warum TWs jetzt in meinen Rezensionen zu finden sind

Triggerwarnungen in Büchern

Triggerwarnung/Spoiler: In diesem Beitrag geht es um Triggerwarnungen am Beispiel von zwei Büchern mit Vergewaltigung sowie körperlicher und psychischer Gewalt. Wenn du THE DEAL von Elle Kennedy und WITH(OUT) YOU von Maike Voß noch nicht gelesen hast, enthält dieser Beitrag außerdem Spoiler zu diesen Büchern.

Vor ein paar Jahren gab es mal eine ziemlich große Diskussion in der Buchblogger- und Bookstagram-Welt, bei der es darum ging, ob Verlage Triggerwarnungen in ihren Büchern abdrucken sollten oder nicht. Wenn du – wie ich – schon länger dabei bist, erinnerst du dich vielleicht? Die Meinungen gingen hier ziemlich auseinander. Ich habe mich damals aus verschiedenen Gründen nicht an dieser Diskussion beteiligt, was jetzt aber nicht Thema dieses Beitrags sein soll.

Ich habe wohl das Glück zu den Menschen zu gehören, die von sehr wenigem getriggert werden. Ich hatte bisher nie so ein krass einschneidendes Erlebnis, das mich komplett aus der Bahn geworfen hat und mich daher triggern könnte, wenn es ich in einem Buch lesen würde. Ich kann zwar weder Horrorfilme gucken noch blutige Thriller lesen, aber dies liegt eher an meiner niedrigen Schmerzgrenze. Oder vielleicht ist es doch ein Trigger, weil ich das einfach weder detailliert in einem Buch lesen noch in einem Film sehen mag. Vermutlich lese ich deswegen auch so viele Liebesromane.

Triggerwarnungen in Büchern

Triggerwarnungen in Liebesromanen

Auch die Liebesromane beinhalten in den letzten Jahren viele triggernde Inhalte. Zum ersten Mal richtig aufgefallen ist es mir, als ich THE DEAL von Elle Kennedy gelesen habe. Ja, es ist ein New Adult Roman und so, wie sich dieses Genre die letzten Jahre entwickelt hat, sollte man damit rechnen, dass irgendeiner der Protagonisten eine miese Vergangenheit hat. Aber dennoch bin ich hier damals nicht davon ausgegangen, habe irgendwie einen locker-leichten Roman erwartet. Vielleicht lag es am Klappentext, der so leicht klang, dass ich nicht damit rechnete und der nicht mal im Entferntesten darauf hinwies, dass irgendeiner der Protagonisten irgendwas aufarbeiten muss. Es klang nach dieser typischen College-Geschichte, in der es um zwei charaktermäßig sehr unterschiedliche Personen geht, Eishockey gespielt wird und viel geflirtet wird. Alles auf eine lockere Art, bei der man einfach nur abschalten kann. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass hier Themen wie Vergewaltigung und körperliche Gewalt eine Rolle spielen. Wie gesagt – mir persönlich macht das nichts, ich kann dann damit umgehen, weil ich nie in solchen Situationen war.

Damals habe ich mich nach dem lesen gefragt, wie eine andere Person das sieht. Eine Person, die wie ich einen lockeren New Adult Roman erwartet und dann dort plötzlich mit diesen Themen konfrontiert wird, wovon vielleicht eins oder im schlimmeren Fall gleich mehrere Dinge sie/ihn triggern. Irgendwie brachte mich das zum Nachdenken.

Seitdem stelle ich mir diese Frage beim lesen öfters – zuletzt wieder ganz extrem bei WITH(OUT) YOU von Maike Voß. Auch dieses Buch ist wirklich sehr gut und ich mochte es sehr. Im Klappentext wird im Gegensatz zum Buch von Elle Kennedy zumindest eine Andeutung dahingehend gemacht, dass Luna Dinge aus ihrer Vergangenheit aufarbeiten muss. Aber auch hier habe ich mich nach dem Lesen gefragt: Wieso gibt es keine Triggerwarnung? Menschen, die wie Luna psychische Gewalt und eine Fast-Vergewaltigung durch den eigenen Partner erleben mussten, könnten diese unter Umständen triggernden Inhalte erspart werden, falls dies etwas bei ihnen auslöst.

 

Klares Ja für Triggerwarnungen in Büchern

Ich glaube am Ende wird es immer verschiedene Meinungen zum Thema Triggerwarnungen in Büchern geben. Genauso wie es immer solche ernsten Themen in Büchern – egal ob Liebesroman oder nicht – geben wird, was ich auch gut finde. Es ist wichtig über solche Dinge zu reden und darauf aufmerksam zu machen. Außerdem wollen wir Leser:innen am Ende doch alle, dass nicht nur an der Oberfläche gekratzt wird, sondern Bücher mit Tiefgang.

Ich finde Triggerwarnungen in Büchern sind daher eine gute Lösung. Der LYX Verlag hat das bei den neueren Büchern clever gelöst, indem sie einen Hinweis an den Anfang stellen, dass sich ggf. auf der letzten Seite die potenziell triggernden Inhalte angesehen werden können. So wird niemand gespoilert, andererseits können diejenigen, die wissen wollen, ob das Buch etwas bei ihnen auslöst, nachsehen.

Triggerwarnungen in Büchern LYX Verlag

Triggerwarnungen in meinen Rezensionen

Leider macht dies bisher jedoch nur der LYX Verlag – oder es ist mir bisher nur bei ihm aufgefallen. Ich habe mich seit dem Moment, als ich THE DEAL gelesen hatte, dafür entschieden, an den Anfang meiner Rezensionen eine Triggerwarnung versteckt hinter einen Spoiler-Button zu stellen. Ich bin zwar keine Expertin und ich habe natürlich auch keine Ahnung, was alles einen Menschen triggern kann. Das könnten die unterschiedlichsten und kleinsten Dinge sein. Jeder reagiert auf Dinge anders. Aber ich kann es versuchen und zumindest die sehr offensichtlichen Dinge wie bei THE DEAL oder WITH(OUT) YOU als möglichen triggernden Inhalt kennzeichnen. Das hat zwar sicherlich nicht die gleiche Wirkung wie ein Hinweis direkt vorne im Buch, aber wenn zumindest eine Person, dadurch nicht getriggert wird, ist es schon mal ein Anfang.

Wie stehst du zu Triggerwarnungen in Büchern?

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7 thoughts on “Triggerwarnungen in Büchern – und warum TWs jetzt in meinen Rezensionen zu finden sind

  1. Ich finde, Trigger-Warnungen sind ein Muss. Ich persönlich werde von Vergewaltigungen getriggert und sobald sich so eine Szene in einem Buch ankündigt, überspringe ich die nächsten Seiten, und besonders im NA Bereich sind Vergewaltigungen einfach keine Seltenheit …
    Für mich ist es einfach super wichtig, um die Lage direkt einschätzen zu können und zur Not auch sagen zu können: so gerne ich das Buch auch lesen würde, mit diesen Themen für mich aber nicht möglich.

    Die Lösung vom LYX Verlag finde ich persönlich am besten. So kann ich selbst noch entscheiden, ob ich es wissen möchte oder nicht, aber immerhin habe ich die Möglichkeit einer Wahl.

    Und ich denke auch, dass es keine große Arbeit ist, den kleinen Hinweis auch noch eben ins Buch zu drucken und trotzdem hilft es zahlreichen Menschen weiter!

    Die Idee, es auch in die Rezensionen zu packen finde ich gut. Mache ich hin und wieder, wenn ich die Themen direkt anspreche, aber ich werde es wohl noch mal richtig einführen 🙂

    Liebst, Lara.

    1. Hallo Lara,
      das stimmt, das Thema Vergewaltigung ist echt häufig in New Adult Romanen zu lesen. Aber auch in anderen Büchern findet man sie verhältnismäßig häufig finde ich. Deswegen bin ich auch für TWs in Büchern – damit Menschen, die – wie du – mit sowas (oder auch anderen Themen) Probleme haben, selbst entscheiden können, ob sie das Buch lesen möchten.

      Die TWs intergriere ich ehrlichweise auch nicht in jede Rezension, nur da wo es mir selbst auffällt. Auch ich bin nicht frei von Fehlern und kann das eine oder andere übersehen, aber wenn es wie gesagt die sehr offensichtlichen Dinge sind, dann versuche ich schon, den Hinweis in der Rezi zu geben.

      Mit dem Hinweis in Büchern so wie der LYX Verlag es macht stimme ich dir auch zu – ich denke auf die eine Seite mehr kommt es nicht an und ich finde die Lösung echt super. Ich hoffe, irgendwann ziehen da noch ein paar mehr Verlage nach.

      Liebe Grüße und hab ein schönes Wochenende 🙂
      Alles Liebe, Ela

  2. Huhu 🙂
    schöner Beitrag! Ich finde Trigger-Warnungen unheimlich wichtig. In meinen Rezensionen habe ich sie mittlerweile schon seit Jahren. Und ich finde es schön, dass das Thema wenigstens diskutiert wird und einige Verlage und Autor*innen (zumindest auf dem englischen Buchmarkt) vermehrt darauf achten und Triggerwarnungen abdrucken oder zumindest sagen, wo man diese finden kann.
    Das kann einfach so viel ersparen und ich finde es sehr gut, wie du in deinem Beitrag damit umgegangen bist 🙂
    Liebste Grüße,
    Kat

    1. Hallo Kat,
      vielen Dank für deine Meinung. Diskutieren kann man ja über alles, aber ich finde TWs sind defintiv ein diskussionswürdiges Thema. Ich denke auch, dass ein kleiner Hinweis nicht weh tut und anderen Leser:innern viel ersparen kann. Daher ist es toll, dass du dir das auch angewöhnt, hast, Triggerwarnungen in de Rezis zu intergieren und vielleicht zieht ja der deutsche Buchmarkt mit den Warnungen irgendwann nach.

      Liebe Grüße, Ela

  3. Das finde ich gut, damit habe ich in meinen Rezensionen auch vor einer Weile angefangen. Gerade wenn es Aspekte sind, die nicht nur so nebenbei erwähnt werden, sondern unerwartet eine größere Rolle spielen, finde ich es wichtig, dass die Leser*innen entsprechend vorgewarnt werden und wie du schon sagst, die meisten Verlage machen das leider noch nicht. Ich bin absolut für Triggerwarnungen und finde es super, dass du das selbst mit in die Hand nehmen willst.

    1. Hallo Jacquy,
      toll, dass du damit auch angefangen hast! Ich glaube, dass auch so kleine Dinge vielleicht schon etwas bewirken können und Leser:innen viel erspart wird. Vielleicht sieht der deutsche Buchmarkt ja auch irgendwann die Notwendigkeit und löst es wie der LYX Verlag – die Lösung ist nämlich echt für alle Beteiligen zufriedenstellend denke ich.

      Liebe Grüße, Ela

  4. Die Hoffnung habe ich auch. Einen Vorreiter braucht es ja immer, vielleicht schauen sich die anderen es bald ab. Der Hinweis vorne ist wirklich die perfekte Lösung, da kann sich auch niemand über mögliche Spoiler beschweren, weil es jedem selbst überlassen bleibt, ob man die Warnung lesen möchte oder nicht.

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