Literaturtanz

Literaturtanz #2

Literaturtanz

Hallöchen! Bisher klappt mit des Friday Booktalk ja nur mäßig. Die erste und bisher einzige Ausgabe ist schon unglaubliche 6 Monate her. Und mit der heutigen zweiten Ausgabe habe ich auch direkt eine Namensänderung vorgenommen, wie dir vielleicht aufgefallen ist. Zum einen war ich mit dem Namen Friday Booktalk am Ende doch nicht ganz zufrieden. Obwohl ich mittlerweile auch auf Englisch lesen, blogge ich immer noch auf Deutsch und hätte daher auch gerne einen deutschen Namen. Außerdem wollte ich einen Bezug zum Blognamen herstellen. Dabei ein einziges Wort zu finden, gestaltete sich für mich aber etwas schwierig, da das Wort „Liebe“ vermutlich impliziert, ich würde nur Bücher besprechen, die ich mochte. Am Ende bin ich jetzt auf das Wort Literaturtanz gekommen – ihr wisst schon, so ähnlich wie Papiertänzer*in, Zeilentänzer*in, Buchtänzer*in etc. – also mein Tanz durch die Literatur.

So viel zum Vorgequatsche. Jetzt zu den Büchern.

 

BUCHTIPPS

Leichte Jugendbücher von Adriana Popescu? Wird man vermutlich nicht mehr erleben. Obwohl MORGEN IRGENDWO AM MEER zunächst nach einem unbeschwerten Sommertrip aussieht, geht es im Verlauf emotional hoch her. Für Romy, Julian, Nele und Konrad wird das eine ziemlich belastbare Reise, bei der sie immer wieder auf die Vergangenheit treffen, einige psychische Probleme auftreten und auch die Beziehungen zu- und miteinander immer wieder auf eine harte Probe gestellt werden. Das Geheimnis, das die ganze Zeit unsichtbar über einem schwebt und zunächst für falsche Spekulationen sorgt, war irgendwann sehr vorhersehbar. Dafür gibt es in der Geschichte andere Spannungs- und Höhepunkte sowie Überraschungen. Die Emotionen und Gedanken wurden durch den vorhandenen Sichtwechsel sehr gut eingefangen. In Kombi mit den angesprochenen Themen, der vorhandenen Tiefgründigkeit und Neles Versuchen, trotz allem immer etwas Leichtes in die Reise zu bringen, ist dieses Sommerabenteuer ein sehr gelungenes Jugendbuch.

 

Morgen irgendwo am Meer Love her wild Gun Love

 

Vermutlich bin ich der letzte Mensch, der LOVE HER WILD gelesen hat, aber gut Ding will Weile haben. Dafür hat mich Atticus nicht enttäuscht. Ich habe es auf Englisch gelesen – bewusst, um wirklich die Magie seiner Worte zu erleben. Obwohl einige seiner Gedichte sehr kurz sind, spiegeln sie trotzdem eine ganz eigene Geschichte wider. Atticus schafft es, Gefühle einzufangen und sie mit so viel Tiefgang zu beschreiben, wofür einem sonst die Worte fehlen (es ist ein bisschen wie mit Musik, die man auch oft in bestimmten Gefühlsituationen hört). Definitiv für eine klare Empfehlung für alle Poetry-Fans. Wirklich schön ergänzt wird das Buch durch die viele schwarz-weiß Bilder.

GUN LOVE ist ein Roman, der von unfassbarer Gewalt dominiert wird und dabei irgendwas zwischen faszinierend und erschreckend ist. Das Leben von Pearl und ihrer Mutter in einem Auto am Rande des Trailerparks ist gewöhnungsbedürftig aber gut. Bis ein Mann aufkreuzt, der alles verändert und Pearls Geschichte plötzlich eine beklemmende Wendung annimmt. Autorin Jennifer Clement stellt die amerikanische Unterschicht dar, zeigt die eindeutigen Schwächen des dortigen Sozialsystems. Außerdem spielt das Thema Waffen eine zentrale Rolle. Mit eindrucksvollem Schreibstil zeigt Clement wo Gewalt hinführen und welche Ausmaße es annehmen kann. Sie zeigt, wie Menschen teils dadurch, manchmal aber auch durch andere Unglücke, zum Opfer werden und ihnen dann niemand Hilfestellung leistet. Jennifer Clement bietet mit diesem Buch eine ehrliche und schonungslose Bestandsaufnahme von Amerikas „Waffenwahnsinn“, den sie in eine interessante Geschichte verpackt hat.

 

FÜR ZWISCHENDURCH GANZ NETT

Mit SOMEONE NEW hat Laura Kneidl den Versuch unternommen, ein diverses Buch zu schreiben. Generell habe ich das Buch schnell durchgelesen, ich fand es schön zu sehen, wie Micah und Julian sich näher kommen, wie Julian langsam lernt zu vertrauen. Am Ende aber war das Diversitätsthema etwas zu viel. Es gibt sehr viele Charaktere in dem Buch und es scheint, als wollte die Autorin mit jedem Charakter eine andere „Gruppe“ (sorry, mir fällt gerade kein anderes Wort ein) repräsentieren. In der Masse wirkte es aber einfach zu viel, wodurch einige Charaktere einfach zu oberflächlich bleiben. Schlussendlich war es dann auch die Sache mit Julian und seinem Geheimnis. Nur damit das jetzt nicht falsch verstanden wird – ich finde es mutig, großartig und sehr wichtig von Laura Kneidl, dass sie dieses Thema aufgreift. Aber es hätte so viel besser umgesetzt und bedeutsamer gewirkt, wenn Laura Kneidl die anderen Charaktere nicht in das Diversitätsthema gedrängt hätte. Julian wirkte im Zusammenspiel mit den anderen einfach wie einer von vielen. Am Ende wurde mir das auch alles viel zu schnell abgehandelt. Mal ganz abgesehen davon, dass die Auflösung erst nach ca. 90 % des Buches kommt, reden Micah und Julian dann vielleicht zwei oder drei Seiten darüber und dann ist alles vorbei und schick? Also, auch ich als sehr verständnisvoller Mensch müsste das erstmal sacken lassen und hätte vermutlich noch eine Million mehr Fragen. Dann hätte die Autorin z. B. weniger Zeit auf Cassie und Auri, die ja bereits einen eigenen Band erhalten haben, verwenden und sich dafür intensiver mit Julian auseinandersetzen sollen. Um jetzt nicht nur zu meckern noch etwas positives: Ich liebe Laura Kneidl Schreibstil, der war schon bei BERÜHRE MICH. NICHT. so unfassbar großartig. Außerdem mochte ich Micah als Charakter sehr gerne, in die ich mich auch sehr gut hineinversetzen konnte. Und trotz einiger Umsetzungsschwächen muss man vor Laura Kneidl trotzdem den Hut ziehen, dass sie sich an dieses Thema rangetraut hat und sich scheinbar sehr gut damit auseinandergesetzt und darüber recherchiert hat.

 

Someone new

 

EIN SATZ MIT X…

Eigentlich bin ich ein sehr großer Fan Julia Engelmann (Tipp am Rande: Beitrag, warum ich ihre Poetry Slams so liebe), daher war es klar, dass ich auch im Oktober sofort das neue Buch KEINE AHNUNG, OB DAS RICHTIG IST kaufen musste. Diesmal umfasst das Buch 33 Gedichte, die sich damit befassen, was eigentlich „richtig“ ist. Leider wurde ich aber sehr enttäuscht. Schon bei ihm vorherigen Buch, hatte ich das Gefühl, dass Julia Engelmann nur noch abliefern muss, sie nicht mehr mit ganz so viel Herzblut dabei ist. Der Funke fehlte. Diesmal leider auch. Ich kann mich mittlerweile nur noch schwer in ihre Texte reinfinden. Es gab nur wenig Gedichte, mit denen ich mich identifizieren konnte, wo ich die Ehrlichkeit der Autorin gespürt habe. Vielleicht werde ich langsam zu alt für dieses Poetry-Slam-Ding (obwohl ich sogar noch ein Jahr jünger als die Autorin bin), vielleicht sind es aber diesmal einfach nicht meine Themen gewesen. Ich hoffe sehr, mit ihrem nächsten Buch, ändert sich das wieder.

 

Keine Ahnung, ob das richtig ist Falling into you

 

Der Anfang von FALLING INTO YOU war gar nicht mal schlecht, man lern Nell und Kyle kennen, wie sie zusammenfinden. 2 Jahre sind sie ein glückliches Paar. Dieser Teil ist leicht geschrieben. Hier schaffte Jasinda Wilder es, Gefühle und Sympathien aufzubauen. Bis ein dramatischer Unfall passiert. Und dann taucht Colton auf, wie immer der knallharte, tätowierte Bad Boy, der sich jedoch sofort um Nell sorgt. Es vergehen weitere 2 Jahre bis Nell und Colton sich wiedertreffen und ja, dann… dann war es irgendwie nichts mehr. Es gibt viel Drama, viel Sex und Leidenschaft, Streit und einige Tränen. Die Charaktere stolpern von einem Klischee ins andere, dass man nur die Augen verdrehen kann. Dieses ewige Hin und Her hat mir viele Nerven abverlangt. Es einfach nur noch eine Aneinanderreihung aus intensivem Befummeln und Schuldgefühlen inkl. Heulanfällen. Und dann folgt nur noch Sex, dort eine ganz kurze Pause, wieder Sex, hier noch ein weiteres dramatisches Ereignis und wieder Sex. Mal ganz abgesehen davon, werden zu viele Themen wie Trauer oder Selberverletzung kurz angerissen, die sich dann wieder eine Sexszene verlieren.

 

ZITATLIEBE

 

Es geht nicht um den Ausgang unserer Geschichte. Es geht darum, sie zu einer Geschichte zu machen, die man auch Jahre später noch gerne erzählt. – Aus: Paris, du und ich von Adriana Popescu

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