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Rezensionen, Romane & Gegenwartsliteratur

Rezension | Katharina Herzog – Der Wind nimmt uns mit

Der Wind nimmt uns mit
Rezensionsexemplar  

Maya bindet sich weder an Orte noch an Menschen. Obwohl die Reisebloggerin erst 32 ist, hat sie schon fast die ganze Welt gesehen. Nur an einen Ort möchte sie niemals: Nach La Gomera. Dort wohnt ihre Adoptivmutter Karoline. Dass Karoline nicht ihre leibliche Mutter ist, hat Maya vor Jahren durch einen Zufall erfahren, und bis heute hat sie ihr nicht verziehen. Doch dann wird Maya schwanger, und Tobi, der Mann, mit dem sie eine flüchtige Affäre hatte, hält sich ausgerechnet auf der Kanareninsel auf. Nur widerwillig fliegt Maya dorthin, zu den Aussteigern und Künstlern, zu ihrer Mutter. Sie ahnt nicht, dass es die wichtigste Reise ihres Lebens sein wird.

– Rowohlt Verlag

 

GEDANKEN ZU „DER WIND NIMMT UNS MIT“

In DER WIND NIMMT UNS MIT schenkt Katharina Herzog dem Leser einen sommerlichen Roman auf La Gomera. Es geht ums Reisen und um Abenteuer. Um die Familie und Liebe und dass beides nicht immer zwingend eine Blutsverwandtschaft voraussetzt. Aber vor allem geht es ums ankommen.

 

„Ich wünschte, ich hätte einen solchen Ort auch schon gefunden. Einen Ort, an dem Stillstand für mich erträglich ist und an dem ich Erinnerungen finde, ohne dafür um die halbe Welt zu reisen.“ – S. 241

 

Reisebloggerin Maya hat schon fast die ganze Welt gesehen und ist nur wenige Wochen am selben Ort. Auf ihren Reisen sammelte sie schon wunderbare Erinnerungen, auf die man glatt neidisch werden kann. Aber Maya ist ein furchtbar anstrengender Charakterund während des gesamten Buches wurde sie mir nie sympathisch. Sie scheint kaum erwachsen und verhält sich trotz ihrer 32 Jahre wie eine trotzige 16-Jährige. Sie ist immer sauer auf irgendwas oder irgendwen. Maya sieht teilweise selbst die unlogische Seite in ihrem Denken und Handeln, bleibt aber trotzdem stur. Auch die Entscheidung, ob sie das Baby behalten möchte oder nicht war viel zu sprunghaft und die dafür notwendigen Gespräche viel zu kurz.

Die anderen im Roman auftretenden Charaktere machten es nicht besser. Sie wirkten entweder viel zu blass oder zu überzeichnet. Von Tobi, dem Vater des Kindes, bekommt man sowieso kaum etwas mit, da er scheinbar wie vom Erdboden verschluckt ist. Mayas beste Freundin Kathi mochte ich zwar, war ebenfalls nicht ausreichend ausgearbeitet. Sie kommt nur ab und zu mal vor, so als hätte die Autorin sich erinnert, dass Kathi auch mal wieder in der Handlung vorkommen muss. Es gab im gesamten Roman nur eine Person, die ich wirklich mochte – wer und warum, lasse ich aus Spoilergründen jetzt mal offen.
 

„Ich möchte mit Erinnerungen sterben, nicht mit Träumen.“ – S. 40

 

Das Familiengeheimnis um Mayas leibliche Eltern und ihrer Adoptivmutter Karoline lichtet sich nach und nach. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Die Vergangenheit wird von Karoline erzählt, wie sie das erste Mal auf La Gomera war und wie, wann und warum sie Maya adoptiert hat. Die Gegenwart wird von Maya erzählt, die auf La Gomera nicht nur versucht Tobi zu finden, sondern sich auch auf die Suche nach ihren Wurzeln macht. Die wechselnde Perspektivesollte sicherlich für Spannung sorgen, jedoch war der Roman sehr vorhersehbar. Es kam nicht eine Stelle, die überraschend war, vieles wirkte zu sehr gewollt und konstruiert und auch ein paar Klischees werden nicht ausgelassen. Der komplette Roman ist zudem oft durchzogen von Esoterik. Versteht mich nicht falsch – jeder kann glauben, woran er möchte und wenn Menschen sich damit identifizieren können, super! Aber ich persönlich kann damit leider nichts anfangen und glaube auch nicht daran, weswegen es mich einerseits nervte und es mir andererseits viel zu oft vorkam.

Letztendlich fehlten mir auch einfach die Gefühle. Es gab wenig berührende Momente. Wenn diese mal auftraten, waren diese auch ebenso schnell wieder verschwunden, sodass vielen Szenen die Tiefe fehlte und es viel vor sich herplätscherte. Auch das Ende war eher ein schnelles Abhandeln, als dass es mich wirklich überzeugt oder berührt hätte.
 

KURZ & KNAPP

DER WIND NIMMT UNS MIT ist ein sommerlich-leichter Roman in der wunderbaren Kulisse La Gomeras mit einem lockeren und lebendigen Schreibstil. Dennoch konnte Katharina Herzog mich dieses Mal nicht wirklich überzeugen. Maya war mir als Protagonistin zu nervig, die anderen Charaktere zu blass. Die Handlung wies wenig Tiefe, kaum Überraschungen und so gut wie keine Gefühle auf. Letztendlich war auch die Familiengeschichte sehr vorhersehbar. Ich bin sicher, der nächste Sommerroman der Autorin kann mich wieder mehr packen.


Bibliografie
Rowohlt Verlag – ET: April 2019 – 368 Seiten – Einzelband – Klappenbroschur – 12,99 EUR
 
Ebenfalls von der Autorin rezensiert:
Zwischen dir und mir das Meer // Zeit für Eisblumen // Sehnsucht nach Zimtsternen // Hoffnung auf Kirschblüten

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4 Comments

  • Reply Tintenhain

    Oh je, das Buch habe ich auch noch auf dem Stapel. Jetzt weiß ich gerade nicht…
    Vor kurzem habe ich Katharina Herzog per WhatsApp auf Juits begleitet. Meine persönliche Trauminsel seit meiner Kur. Auf den Roman freue ich mich jetzt total, auch wenn ein Teil dann wohl in New York spielen wird.

    Liebe Grüße,
    Mona

    4. Mai 2019 at 14:11
    • Reply Ela

      Hallo Mona,

      nicht abschrecken lassen. Zwischen dir und mir das Meer mochte ich letztes Jahr total gerne, aber diesmal war die Protagonistin einfach nichts für mich. Ich wünsche dir sehr, dass dir das Buch besser gefällt.

      Liebe Grüße, Ela

      5. Mai 2019 at 20:40
  • Reply Daggi

    Das Buch liegt schon lesebereit auf meinem SuB, eigentlich hatte ich gehofft, dieses WE schon damit beginnen zu können, aber es wird wohl nicht reichen. Ich freue mich schon darauf <3

    LG
    Daggi
    #litnetzwerk

    4. Mai 2019 at 23:07
    • Reply Ela

      Hallo Daggi,

      manchmal ist es komisch, aber das Buch läuft ja nicht weg 😉 Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dem Buch!

      Liebe Grüße, Ela

      5. Mai 2019 at 20:43

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