Nell Leyshon – Die Farbe von Milch

Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.
Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal plötzlich erneut eine dramatische Wendung nimmt.

 

GEDANKEN ZU “DIE FARBE VON MILCH“

Mit Mary hat die Autorin Nell Leyshon einem Mädchen eine Stimme gegeben, die trotz aller Widrigkeiten unglaublich stark ist. Trotz der damaligen Verhältnisse im 19. Jahrhundert sieht sie immer das Positive und ist nicht auf den Mund gefallen und man spürt ihren Drang danach, eigene Entscheidungen treffen zu wollen. Ehrlich gesagt, hat es mich teilweise gewundert, dass ihr ihr vorlautes Mundwerk in Anbetracht der damaligen Zeit nicht zum Verhängnis geworden ist. Es war fast schon schmerzhaft mit anzusehen, wie Mary nach der Wendung zerbrochen ist und ihre Leichtigkeit verloren hat. Es ist nichts Neues, dass ein Mädchen in gewissen Dingen niemals wirklich eine Wahl hat. Damals wie heute. Aber es ist dennoch ziemlich erschütternd, dass es so ist. Marys Geschichte ist bewegend und eindrucksvoll. In ihrer Erzählung beschränkt sie sich einfach auf das, was passiert ist. Relativ neutral und schnörkellos, aber trotzdem ehrlich und authentisch. Das Drama ist dabei dennoch sehr gut erkennbar und man spürt förmlich diese Machtlosigkeit.

Die Geschichte wird von Mary selbst geschrieben, jedoch hat diese einen sehr gewöhnungsbedürftigen Erzählstil, weswegen ich sehr lange brauchte, um in die Handlung zu finden. Kommasetzung und Anführungszeichen bei wörtlicher Rede existieren so gut wie gar nicht. Auch die teilweise falsche Grammatikanwendung störten mich sehr. Es war für mich fast schon anstrengend das Buch zu lesen, da ich gedanklich jeden Fehler korrigiert habe. Der Schreibstil passt allerdings zu Mary als Person, denn sie ist nun mal nur ein einfaches Bauernmädchen, das aus einer Zeit kommt, in der Frauen noch kein Recht auf Bildung hatten.

 

Manchmal ist es gut wenn man ein Gedächtnis hat denn das ist die Geschichte des eigenen Lebens und ohne Gedächtnis hätte man gar nichts. Aber manchmal da bewahrt das Gedächtnis Dinge auf die man lieber nicht mehr wüsste und egal wie sehr man sich anstrengt sie aus dem Kopf zu kriegen sie kommen immer wieder zurück.
S. 163
 

Leider gab es auch kaum Überraschungen und für mich war so ziemlich alles vorhersehbar, was dem Klappentext geschuldet ist. An dieser Stelle sei nicht zu viel verraten, aber man wusste sehr genau, dass für Mary nicht alles gut bleiben wird und es noch eine dramatische Wendung gibt. Ich persönlich hatte auch schon eine sehr genaue Vorstellung davon, was mit Mary passieren wird (und so ist es auch gekommen). Hätte man den Klappentext etwas anders formuliert, wäre es vielleicht nicht ganz so vorhersehbar gewesen. (Aus diesem Grund habe ich hier den Klappentext auch etwas eingekürzt.)

 

ZUSAMMENFASSEND

Nell Leyshon hat Mary in „Die Farbe von Milch“ eine gewaltige Stimme zu einem Thema verliehen, das nach wie vor wichtig ist. Ehrlich und eindrucksvoll erzählt Mary ihre Geschichte und beschränkt sich dennoch nur auf Fakten. Es ist fast schon erdrückend, in vielen Dingen Frauen damals keine Wahl hatten und heute immer noch nicht haben. Leider lässt der Klappentxt kaum Spielraum für Überraschungen. Auch war der Schreibstil sehr schwierig für mich, da jegliche Kommasetzung & Co. fehlte, weswegen ich es sehr mühselig fand, das Buch zu lesen. Es ist ein wichtiges Buch, aber gerade der Schreibstil machte es mir immer wieder schwer, mich wirklich zurecht zu finden.


{Werbung} Infos zum Buch

Verlag: Eisele Verlag
ET: September 2017
Seiten: 208
Reihe: Einzelband
Format & Preis: Hardcover – 18,00 EUR
Originaltitel: The colour of milk – übersetzt von Wibke Kuhn

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Eisele Verlag

2 Kommentare bei „Nell Leyshon – Die Farbe von Milch“

  1. Hey Ela,
    die Rezensionsart finde ich super und ist auch mal was anderes und abwechslungsreich! Klingt aber irgendwie nicht sooo gut, wobei die Bewertung doch recht gut ist. Aber wenn der Schreibstil nicht passt, bin ich schon raus xD

    Ja das Thema Geld ist schon so eine Sache mit den ebooks… Aber deswegen nehme ich immer so gut es geht alles bei den Aktionen mit.
    Ach wie cool, ja nach Farbe sortieren ist bestimmt sehr schön. Ich habe es nach Genre getrennt und die zusammengehörigen Bände zusammen stehen.

    1. Hallo Jana,
      man gewöhnt sich mit der Zeit an den Schreibstil, aber gerade zu Beginn war es schwierig für mich. Aber ich halte das Buch dennoch für gut mit einem wichtigen Thema, deswegen hat es diese gute Bewertung bekommen. 🙂

      Schön, dass dir diese Rezensionart gefällt. Ich möchte die jetzt immer so aufbauen Zumindest die „normalen“. Dazu kommt aber auch nochmals ein extra Beitrag 🙂 Es werden zwar bestimmt nicht immer vier Gedanken sein, mal bestimmt auch nur drei oder auch mal fünf, aber das Konzept soll so bestehen bleiben 🙂

      Alles Liebe, Ela

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