Kati Seck – Die Stille zwischen Himmel und Meer

Die Nordsee im Herbst. Nirgends ist der Himmel weiter, die Luft klarer und das Meer beeindruckender. Genau deswegen ist Edda hierhergekommen. Aber die junge Frau ist nicht wie andere Touristen. Sie fürchtet sich vor dem endlosen Himmel und dem unbeherrschten Meer. Sie ist jedoch fest entschlossen, sich der Angst zu stellen und dem Himmel ins Gesicht zu lachen. Hier begegnet sie einem Mann, der genau wie sie mit seiner Vergangenheit kämpft. Eine Begegnung, die beide verändern wird.

 

GEDANKEN ZU „DIE STILLE ZWISCHEN HIMMEL UND MEER“

Kati Seck nimmt einen in „Die Stille zwischen Himmel und Meer“ mit auf eine Reise in die Freiheit. Edda hat ein schweres Schicksal hinter sich, dass sie auch nach sieben Jahren noch immer begleitet. Doch sie möchte sich nicht länger davon beherrschen lassen und will sich an der Nordsee ihren Ängsten stellen. Dass Eddas Weg zurück ins Leben nicht immer einfach ist, muss sowohl sie als auch der Leser schnell feststellen.

 

Das Meer aber machte mir keine Angst, nicht wirklich. Es ruhte still in sich und spiegelte das Licht der am Himmel stehenden Sonne. Ein Schimmern, das mich verführte, mich auf die seichten Wellen zu legen, um mich umschmeicheln zu lassen wie von fließender Seide.
S. 15

 

Edda ist eine bewundernswerte Person. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, sich ihren Ängsten zu stellen waren wirklich groß. Trotz einigen Rückschritten steht sie immer wieder auf und stellt sich am Meer erneut dem Leben und ihrer Panik. Ihre Entwicklung verlief dabei etwas schleichend, sodass es teilweise gar nicht aufgefallen ist. Nur hin und wieder gab es ein paar Schlüsselmomente, in denen ich festgestellt habe, Edda verändert sich. Ihren Weg habe ich gerne gelesen und ich konnte mich gut in die Geschichte fallen lassen. So sehr ich Edda auch mochte und so tragisch ihr Schicksal auch ist – sie erreichte mich insbesondere auf emotionaler Ebene nicht. Vielleicht ist es ihr Schicksal an sich, in das ich mich so schwer reindenken konnte, sodass ich mich in vielen Situationen einfach nicht in Edda hineinversetzen konnte und daher distanziert zu ihr blieb. Auch Sebastian, den Mann den Edda kennenlernt, drang nicht zu mir durch. Auch er muss ein schweres Schicksal verarbeiten, aber seine Handlungen und Gefühle blieben noch undurchsichtiger als die von Edda.

 

So war das mit den Tragödien. Sie verändern die Fotos, die man in sein Familienalbum kleben wollte.
S. 232

 

Kati Secks Schreibstil ist dagegen wunderbar. Sie schreibt aus der Ich-Perspektive von Edda und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart. Das ergibt ein gutes Gesamtbild und die Hintergründe zu Eddas Geschichte werden etwas klarer und nachvollziehbarer. Sprachlich ist es Kati Seck gelungen, genau die richtigen Worte zu finden. Sie versucht mit vielen Metaphern und auf teilweise poetische Weise die seelischen Narben der Protagonisten darzustellen und die Stimmungen einzufangen. Das Meer und die dort herrschenden Naturgewalten bieten eine perfekte Kulisse dafür.

Am Ende gab es für mich zu viel Drama. Die Geschichte gehört eher zu einer der leiseren Art, die man gerne verfolgt, aber Edda muss in einer Situation nochmals besonders viel Mut beweisen. Diese Szene passte für mich einfach nicht zum Rest der Geschichte und wirkte vollkommen fehl am Platz.

 

KURZ & KNAPP

„Die Stille zwischen Himmel und Meer“ ist eine Geschichte über Ängste und Traumata, über Mut, Entschlossenheit und Liebe mit einem wunderbaren Schreibstil. Allerdings gab es zum Ende hin für mich zu viel Drama und auch emotional konnten mich die Protagonisten nicht erreichen, sodass mich das Buch zwar gut unterhalten hat, aber letztlich doch der berühmte Funken fehlte.

Overall
3.2
  • Umsetzung
  • Schreibstil
  • Charaktere
  • Spannung

Infos zum Buch:
Bastei Lübbe // ET: Oktober 2017 // 302 Seiten // Einzelband // Klappenbroschur // 14,00 EUR

1 Kommentar bei „Kati Seck – Die Stille zwischen Himmel und Meer“

  1. Salut, Ela.
    Kein leichtes Thema, um sich literarisch damit abzufaßen. Wobei man/frau schnell Gefahr läuft vom Weg der richtigen Worte & des passenden Tons abzukommen. Untiefen drohen, um am Meer zu bleiben.
    Was das Ende des Romans in Drama angeht, so vermute ich, daß dem gleichmäßigen Erzählfluß ein inhaltlicher Pauckenschlag als Höhepunkt verpaßt werden sollte. Das Finale sozusagen.
    Offenbar hat es der Story aber nicht wirklich weiter geholfen.
    Das Boot wäre demnach bei Sturm besser im Hafen geblieben, denke ich.

    bonté

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