Antoine Laurain – Die Zigarette danach

Rezension Romane & Gegenwartsliteratur
Rezensionsexemplar

Wie weit würde ein Raucher gehen, um eine Zigarette genießen zu können? Für Fabrice Valantine, erfolgreicher Headhunter, ist die Antwort klar: weit, sehr weit. Als in seinem Unternehmen ein Rauchverbot in Kraft tritt, lässt er sich von seiner Frau überreden, einen Hypnotiseur aufzusuchen, der ihn von seinem Laster heilen soll. Die Behandlung ist ein voller Erfolg: Fabrice vergeht jede Lust am Rauchen. Doch als Fabrice die versprochene Beförderung nicht erhält, wird er rückfällig. Zu seinem großen Entsetzen bleibt jede Wirkung aus: Die Zigarette schmeckt nicht mehr. Fabrice ist verzweifelt – bis er durch einen Zufall entdeckt, dass die Lust am Rauchen zurückkehrt, wenn er einen Menschen umgebracht hat …
 

GEDANKEN ZU „DIE ZIGARETTE DANACH“

Als großer Fan von Antoine Laurain musste ich auch das neuste Werk „Die Zigarette danach“ lesen. Und dieses hier ist definitiv anders. Die bisherigen Romane waren charmant, liebevoll, vollgepackt mit französischem Flair. Jetzt haben wir es mit mehr schwarzem Humor und mehr Zynismus zu tun.

Es ist die Geschichte des Rauchers Fabrice, der an sich ein bodenständiger Mann ist und der sich von ganz unten nach oben gearbeitet hat. Mit einer Frau und einer pubertierenden Teenie-Tochter führt ein ganz normales, durchschnittliches Leben. Entspannung findet er in seinen Zigaretten. Vom Nichtrauchergesetz und seiner Frau getrieben sucht er schließlich einen Hypnotiseur auf, um das Rauchen aufzugeben. Und es funktioniert zunächst, bis er entdeckt, dass seine Lust am Rauchen wiederkommt, wenn er einen Menschen umbringt. Die Entwicklung von Fabrice vom ordentlichen Geschäftsmann zu einem berechneten Mörder war dabei sehr interessant und gut umgesetzt.

Die Handlung ist originell, wenn auch etwas skurril und makaber, durchzogen von purer Selbstironie. Es ist nicht mal ein Krimi, sondern eher ein Roman, der die aktuelle Gesellschaft durchleuchtet. Man wird verurteilt für die Sucht und der Zeitverlauf hat aus dem Raucher etwas Abtrünniges gemacht, der oft angewidert angeschaut wird, wenn er zur Zigarettenschachtel greift (ich weiß, wovon ich spreche ;)) Der Anfang des Buches fiel mir jedoch wirklich schwer und während der ersten Hälfte habe ich wirklich oft überlegt, ob ich das Buch abbreche. Ich bin nicht in die Handlung reingekommen, fand es zäh und teils langweilig. Sobald Fabrice aber seinen ersten Mord begeht – auch wenn dieser eher unfreiwillig geschehen ist – wird es spannend, immer schwankend zwischen komisch und tragisch. In der zweiten Hälfte konnte ich das Buch dann nicht mehr weglegen und es hat mich super unterhalten. Das Ende war wirklich gelungen und gibt dem Roman etwas vom Realismus zurück.
 

KURZ & KNAPP

Es war schwierig mit dem neuen Laurain-Roman und mir. Während ich die erste Hälfte gar nicht mochte, konnte mich der zweite Teil vollkommen packen. Nichtsdestotrotz ist „Die Zigarette danach“ ein solider Roman, mit dem Antoine Laurain mehr schwarzen Humor an den Tag legt und zynischer wird, als in seinen bisherigen Romanen. Auch wenn ich nicht für eine Zigarette morden würde, so durchleuchtet dieser Roman doch ganz gut die Situation eines Rauchers in der Gesellschaft. Wenn auch mit einigen Abstrichen ist „Die Zigarette danach“ wieder ein lesbares Buch des Autors.


 
Bibliografie
Atlantik Verlag – ET: Januar 2019 – 240 Seiten – Einzelband – Taschenbuch – 16,00 EUR – übersetzt von Sina de Malafosse

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