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Rezension, Romane

Rezension | Anna McPartlin – Warten auf ein Wunder

Anna McPartlin - Warten auf ein Wunder
Triggerwarnung
Endometriose, unerfüllter Kinderwunsch, Molenschwangerschaft, Fehlgeburten, IVF

Dublin, 2010. Caroline glaubt, alles verloren zu haben: den Traum, Mutter zu werden, und darüber auch ihre Ehe. Eine Selbsthilfegruppe führt sie mit drei verwandten Seelen zusammen: Natalie, deren Lebensgefährtin keine Kinder möchte. Janet, die von ihrem Mann betrogen wird. Und die toughe Ronnie, die ihre Geschichte nicht preisgeben mag.

Cork, 1976. Catherine ist 16 und schwanger – die Tochter des Schweinebauern schwanger vom Sohn des Richters, ein Skandal. Als sie in ein wahrhaft furchtbares Heim für ledige Mütter gebracht wird, will Catherine nur eines: ihr Kind retten – und behalten. Und sie weiß bald, dass sie dafür alles riskieren muss.

– Rowohlt Verlag


 

GEDANKEN ZU „WARTEN AUF EIN WUNDER“

Bereits vor vielen Jahren begeisterte mich Anna McPartlin mit ihrer Geschichte um Rabbit Hayes. Durch Zufall bin ich auf ihr aktuelles Buch WARTEN AUF EIN WUNDER gestoßen und dachte mir: Warum nicht mal wieder eine Geschichte von Anna McPartlin probieren?

WARTEN AUF EIN WUNDER ist keine locker-heitere, witzige Frauengeschichte. Im Gegenteil – sie ist oft melancholisch, leidend und schwer zu verdauen. Anna McPartlin greift ihr ein paar sehr sensible Themen wie unerfüllte Kinderwünsche, Endometriose oder Fehlgeburten auf. Gerade wenn man von diesen oder ähnlichen Themen betroffen ist, sollte man es sich vielleicht zweimal überlegen, ob man das Buch lesen möchte.

Die Geschichte basiert auf zwei Handlungssträngen. In de 1970ern lernen wir Catherine kennen, die Tochter eines Schweinebauern, die sich unsterblich in den Sohn des Richters verliebt und ihm jedes seiner Liebesschwüre glaubt. Bis sie ungewollt schwanger wird und dann in einem Nonnen-Heim für unverheiratete, schwangere Frauen durch die Hölle gehen muss. Ich habe Catherines Geschichte geliebt und mit Spannung verfolgt: Wie sie für sich und ihr Baby kämpft, wie sie innerhalb kürzester Zeit von einem kindlichen, naiven Teenager zu einer Frau wird. Durch ihre Ich-Perspektive ist die Geschichte sehr eindringlich und berührend.

Die andere Zeitebene spielt im Jahr 2010 und wir lernen verschiedene Frauen einer Selbsthilfegruppe für unerfüllte Kinderwünsche kennen. Drei Frauen – Caroline, Jane und Nathalie – begleitet man aus Sicht eines auktorialen Erzählers näher und verfolgt ihre Schicksale. Die Ausgangssituationen der drei Frauen sind vollkommen unterschiedlich, was viel Abwechslung in die Story bringt. Auch ihre Geschichten fand ich, wie Catherines Geschichte, sehr berührend, ihre Schmerzen sind nachvollziehbar. Man bangt und hofft so sehr mit diesen Frauen. Allerdings zogen sich hier die einzelnen Geschichten teilweise und besonders mit Caroline als Protagonistin hatte ich oft meine Probleme, da sie zu unsympathisch und egoistisch dargestellt wurde.

Der Schreibstil hat mit sehr gut gefallen. Eindringlich und sehr bildhaft beschreibt die Autorin, wie sich der unerfüllte Kinderwunsch, aber auch eine (oder mehrere) Kinderwunschbehandlung seelisch und körperlich auf die Frauen, aber auch, wie sich der unerfüllte Kinderwunsch auf Familie, Freunde und Beziehungen auswirkt. Wie manche Frauen regelrecht besessen von einem eigenen Kind sind und dafür wirklich alles auf Spiel setzen. Gleichzeitig fand ich es unfassbar faszinierend, wie stark diese Frauen sind und niemals aufgeben. Die Themen scheinen mir gut recherchiert und authentisch geschildert. Das Buch gleicht teils einer emotionalen Achterbahnfahrt, macht einen teils sprachlos und wütend (besonders bei Catherines Geschichte). Aber das Buch zeugt auch von Zusammenhalt und Unterstützung, gegenseitigem Mutmachen und dass man nie alleine ist, auch wenn es einem oft so vorkommt. Am Ende werden die Handlungsstränge logisch miteinander verknüpft und ergeben ein emotionales, hollywoodreifes Gesamtbild.

 

KURZ & KNAPP

Anna McPartlin hat mit WARTEN AUF EIN WUNDER eine schöne, bewegende Geschichte geschaffen. Die Story besticht durch viele sensible Themen mit dem nötigen Tiefgang. Besonders Catherines Geschichte habe ich sehr gerne gelesen, aber auch die Schicksale von Caroline, Janet und Natalie waren spannend zu verfolgen. Ein paar kleine Punkte Abzug gibt es jedoch dafür, dass mir die Gegenwarts-Ebene teils zu sehr in die Länge gezogen wurde und ich sehr große Probleme mit Caroline hatte. Am Ende wurden die einzelnen Geschichten und Schicksale aber logisch miteinander verknüpft und man hat eine emotionale Geschichte, an die man sicherlich noch einige Zeit zurückdenken wird.

Insgesamt
4.5
  • Story & Umsetzung
  • Charaktere
  • Schreibstil
  • Spannung

Bibliografie
Rowohlt Verlag – ET: April 2022 – 544 Seiten – Einzelband – Taschenbuch – 13,00 EUR
Originaltitel: Waiting for the miracle – übersetzt von Sabine Längsfeld
 
Ebenfalls von der Autorin rezensiert:
Die letzten Tage von Rabbit Hayes // Für immer Rabbit Hayes // Irgendwo im Glück

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