Idra Novey – Wie man aus dieser Welt verschwindet

Rezensionsexemplar

Die brasilianische Autorin Beatriz Yagoda ist verschwunden, die Umstände sind unerklärlich. Emma Neufeld, ihre Übersetzerin, lässt alles stehen und liegen und nimmt einen Flug nach Rio de Janeiro. Der Schlüssel zu Beatriz‘ Verschwinden ist in ihren Büchern zu finden, vermutet sie, und die kennt sie besser als alle anderen. Auf der Suche nach der Autorin entdeckt Emma Unglaubliches: Beatriz soll beim Online-Poker hohe Schulden gemacht haben. Und dann erhält Emma unmissverständliche Drohungen.

 

GEDANKEN ZU „WIE MAN AUS DIESER WELT VERSCHWINDET“

“Wie man aus dieser Welt verschwindet” war verwirrend und seltsam, gleichzeitig aber auch schön zu lesen. Dieses Buch ist kein spannender Krimi, keine gemütliche Literatur und ist sowieso sehr schwer einzuordnen. Es liegt irgendwo zwischen “War ganz nett” und “Ich mochte diese Geschichte”.

Die Geschichte ist sehr schnelllebig und beginnt direkt mit dem Verschwinden der brasilianischen Autorin Beatriz Yagoda, gefolgt von der Übersetzerin Emma, die nach Rio fliegt, um sich mit Beatriz Kindern Marcus und Raquel auf die Suche nach der vermissten Autorin zu machen. Die Handlung ist einfach und geht nicht über das hinaus was man erwartet. Im Gegenteil, es ist eher sehr vorhersehbar. Die Komplikationen und Schwierigkeiten, die mit Beatriz‘ Verschwinden einhergehen, sind schnell spür- und greifbar. Zudem habe ich bei einigen Szenen den Sinn dahinter nicht verstanden und mich gefragt, was genau das jetzt mit der Geschichte zu tun hatte.

Aber trotz der Probleme hatte der Roman auch etwas Faszinierendes an sich. Idra Novey ist eine Art Sprachkünstlerin. Sie spielt mit Wörtern und Sätzen, spielt mit den Perspektiven und füllt die Geschichte mit starken Bildern. Sie erzählt Geschichten innerhalb der Geschichte. Die Kapitel sind dabei kurzgehalten und auf das Minimum beschränkt, weswegen es sich zügig lesen lässt. Obwohl ich den Perspektivenwechsel in dieser Geschichte sehr passend fand, wirkten einige Charaktere durch ebendiese kurzen Kapitel aber auch eintönig und nicht vollständig entwickelt.

In „Wie man aus dieser Welt verschwindet“ geht es irgendwann gar nicht mehr primär um das Verschwinden von Beatriz, auch wenn die Suche nach ihr immer präsent ist. Idra Novey bringt einem hier den Beruf des Übersetzers näher und durchleuchtet die Beziehung zwischen Autor und Übersetzer. Die Autorin erzählt, wie die Suche nach Beatriz zu einer Suche nach eigenem Wachstum, Selbstentdeckung und -verwirklichung sowie nach Liebe wird. Und es wird deutlich, dass es tatsächlich mehrere Wege gibt, um zu verschwinden – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, emotional, psychisch.

 

KURZ & KNAPP

“Wie man aus dieser Welt verschwindet” besticht vor allem durch den Sprachstil von Idra Novey. Die Suche nach Beatriz wird für Emma eine Suche nach sich selbst. Dennoch hatte ich mit dem Verlauf der Geschichte und den nicht vollständig entwickelten Charakteren meine Schwierigkeiten. Dieser Roman ist also sprachlich gesehen lesenswert, hat sich aber letztlich nicht wirklich in mein Gedächtnis gebrannt.

Overall
3
  • Umsetzung
  • Schreibstil
  • Charaktere
  • Spannung

Infos zum Buch:
Piper Verlag // ET: September 2018 // 272 Seiten // Einzelband // Hardcover // 22,00 EUR
Originaltitel: Ways to disappear // übersetzt von Barbara Christ

2 Kommentare bei „Idra Novey – Wie man aus dieser Welt verschwindet“

  1. Auf dieses Buch bin ich wirklich gespannt. Es liegt schon daheim bereit und ich bin neugierig, wie sich unsere Leseeindrücke decken oder nicht decken 😉

    1. Hallo Marius,
      dann wünsche dir auf jeden Fall schon mal ein paar tolle Lesestunden mit dem Buch. Ich bin ebenfalls sehr gespannt darauf, welchen Eindruck du am Ende hast. 🙂

      Viele Grüße, Ela

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