Rezension

Catharina Junk – Bis zum Himmel und zurück

Als Drehbuchautorin kann Katja unzählige Leben leben, ohne selbst große Gefühle zu riskieren. Perfekt also. Okay, manchmal kommt Ratko vorbei, aber Liebe ist das eigentlich nicht. Doch als Katja eine Familienserie entwickeln soll, klappt es mit dem Schreiben plötzlich nicht mehr. Ihre eigene Familie ist nämlich ein Trümmerhaufen. Als sich dann ihre Mutter mit einer erschütternden Neuigkeit meldet, wie aus dem Nichts eine Halbschwester auftaucht und Katja ständig an Joost denken muss, kann sie sich nicht länger vor ihrer eigenen Geschichte verkriechen. Die muss nämlich dringend neu geschrieben werden…

 

GEDANKEN ZU “BIS ZUM HIMMEL UND ZURÜCK“

Fragt mich nicht warum, aber irgendwie habe ich bei dem Klappentext einen humorvollen Roman erwartet, bei dem aufgrund einer tollpatschigen Protagonistin alles auf lustige Weise schiefläuft. Lasst mich als Erstes festhalten: „Bis zum Himmel und zurück“ ist eindeutig keine leichte Lektüre.

Ein unachtsamer Moment hat eine komplette Familie zerstört und deren weiteren Lebensverlauf maßgeblich geprägt. Und Katja ist auch keine tollpatschige Protagonistin. Sie ist keine Heldin, sie ist einsam, von Schuldgefühlen geprägt und verletzlich. Natürlich gibt es dennoch ein paar lockere Momente, die besonders durch Katjas Arbeit als Drehbuchautorin hervortreten. Catharina Junk ist meiner Meinung nach mit dieser Mischung aus den Themen Trauer und Schuld auf der einen Seite und der Fernsehwelt auf der anderen Seite eine gute Mischung gelungen, die ernsthaft genug ist, aber dennoch ein Lächeln hervorlockt.

 

„Weißt du, wie lieb ich dich hab?“
Ich schüttle den Kopf, obwohl ich die Antwort kenne, denn ich höre es so gern.
Er gibt mir einen Kuss: „Bis zum Himmel und zurück“
S. 36

 

Die Geschichte wird von Katja aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei sie sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit bewegt. Durch die Rückblenden kommt die tragische Geschichte um Katjas Familie gut zur Geltung und im Verlauf verstand ich immer mehr, warum Katja heute die Frau ist, die sie ist. Ähnlich wie bei Junks Debüt „Auf Null“ mochte ich hier ebenfalls diesen trockenen Humor, mit dem die Protagonistin ihre Geschichte erzählt. Manchmal hilft halt nur noch eine ordentliche Portion Sarkasmus, um an manchen Dingen nicht vollends zu zerbrechen. Und genau deswegen musste ich manchmal schmunzeln, obwohl es hier eigentlich nicht wirklich was zu lachen gibt. Deswegen findet man hier keinen Kitsch, weil die hochemotionalen Szenen durch Katjas Selbstironie fast schon wieder neutralisiert werden. Nicht falsch verstehen – die Gefühle kamen natürlich trotzdem bei mir an und ein-, zweimal hatte auch ich ein Tränchen im Auge hängen. Aber der Sarkasmus lässt das ganze Thema nicht ganz so bedrückend erscheinen.

Catharina Junk bewegt sich hier auf einem Grat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, zwischen Tiefgründigkeit und Leichtigkeit. Der Autorin ist es gelungen, nahezu perfekt auf diesem Grat entlangzulaufen. Die Geschichte ist vielschichtig und spannend ausgearbeitet. Die Liebe spielt, wenn überhaupt, nur eine Nebenhandlung und wird auch nur angekratzt. Etwas, was ich übrigens damals bei „Auf Null“ bemängelt habe. Mittlerweile verstehe ich aber den Sinn dahinter. Man kann halt nicht immer gerettet werden, sondern muss sich manchmal erst selbst helfen. Was ich aber schon wieder etwas schade finde, ist das relativ offene Ende. Ich hätte mir wenigstens ein paar kleine Andeutungen zur weiteren Auflösung bzw. zum weiteren Verlauf mit Katja, ihrer Familie und dem Thema Trauer und Schuld gewünscht.

 

ZUSAMMENFASSEND

Mit „Bis zum Himmel und zurück“ ist Catharina Junk meiner Meinung nach eine Steigerung gelungen. Das wichtige Thema Schuld und wie man damit umgeht, wird mit dem Einblick in die Fernsehwelt in einer guten, ausgewogenen Mischung dargestellt. Es ist keine leichte Lektüre, sondern wurde sehr vielschichtig ausgearbeitet. Der Sarkasmus und die Selbstironie lassen die Themen aber nicht ganz so bedrückend wirken. Mit ihrem zweiten Roman hat sich die Autorin noch ein Stück mehr in mein Leserherz geschrieben.


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Kindler Verlag || ET: März 2018 || 352 Seiten || Einzelband || Hardcover || 17,95 EUR


Rezensionsexemplar  
Vielen Dank an den Kindler Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Kindler Verlag

6 Comments

  • Jacquy

    Ich stimme dir total zu. Mir hat auch die Selbstironie der Protagonistin gefallen und das Thema etwas aufgelockert, aber dass das Ende so offen ist fand ich ebenfalls schade. Zumindest grob hätte ich doch gerne gewusst, wie es weitergeht, weil die Geschichte so etwas unvollständig wirkt.

    • Ela

      Hallo Jacquy,

      das „Problem“ mit dem offenen Ende hatte ich schon bei „Auf Null“. Hier hätte ich einfach gerne gewusst, ob Katja zumindest irgendwie an diesem Schuld-Thema weitergearbeitet hat. Aber dennoch fand ich das Buch sehr gut, das Ende ist nur ein kleiner Wehmutstropfen, über den man auch wegsehen kann, denn alles in allem ist das Buch nämlich wirklich sehr lesenswert 🙂

      Super, dass dir das mit der Selbstironie auch aufgefallen ist und dass damit diese Auflockerung der Stimmung auch bei dir angekommen ist. Ich glaube, sonst wäre es auch sehr bedrückend geworden.

      Alles Liebe, Ela

    • Jens

      Ich fand die stärke des Buches gerade im offenen Ende.
      Ich bin vollkommen offen an das Buch gekommen. Ich bin Buchhändler und hatte ein Leseexemplar wo nur drauf stand, sofort lesen, Kein Klappentext, garnichts. Ich hatte das erste Buch von ihr auch nicht gelesen. Ich habe eigentlich nur kurz reinlesen wollen und war sofort gefangen. Diese Wechselspiel mit den Serien und ihrem Leben hat mich faszieniert. Sie hat eine Passage im Leben beschrieben, die Katja angetrieben hat ihr Leben zu verändern. Am Ende des Buch wusste man, dass es weiter geht mit Joost und ihrer Mutter, mir und meiner Fantasie hat das gerreicht. Grosses Manko des Buches, eine Strasse weiter von der Buchhandlung Balke entfernt, gibt es einen viel besseren Buchladen.

    • Ela

      Hallo Phoebe,

      das Buch ist auch wirklich schön und lohnt sich. Es gibt auch einiges zu schmunzeln, aber es ist halt nichts Chick-Lit oder extrem Humorvolles. Dennoch unbedingt lesen, falls es dich interessiert 🙂

      Alles Liebe, Ela

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