Rezension

Mareike Fallwickl – Dunkelgrün fast schwarz

 

Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn – mit unberechenbarer Wucht.

 

4 GRÜNDE, WARUM „DUNKELGRÜN FAST SCHWARZ“ EIN JAHRESHIGHLIGHT IST

Erstens: Wir haben es hier mit keiner typischen Dreiecksgeschichte zu tun, auch wenn es der Anschein vermuten lässt. Die Beziehung der Freunde Raf, Motz und Jo ist etwas Besonderes – in negativer wie in positiver Hinsicht. Es geht um Liebe, Rivalität, Macht und Abhängigkeit. Das alles wurde von Autorin Mareike Fallwickl so grandios und mit einer eindringlichen Spannung umgesetzt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

 

Freundschaft ist ein Gift, das langsam wirkt. Es ist nicht tödlich, aber es macht weich. Freundschaft knackt dich, bricht dich auf, Freundschaft macht, dass die Schreie, die du auf der Innenseite deiner Haut tätowiert hast, hörbar werden.
S. 55

 

Zweitens: Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Moritz, Johanna und interessanterweise von Moritz Mutter Marie erzählt. Als Leser erfährt man Stück für Stück die Geschehnisse, taucht immer weiter in die Handlung ein und realisiert immer ein kleines bisschen mehr das Ausmaß dieser Freundschaft. Die Autorin hat dabei alles geschickt und logisch miteinander verknüpft, sodass keine Fragen offen blieben.

Drittens: Wie die Freundschaft der drei Protagonisten, entwickelt „Dunkelgrün fast schwarz“ eine ganz eigene Dynamik mit einem Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Die Geheimnisse werden immer präsenter, ich stellte mir immer mehr Fragen. Was ist passiert? Wie lange geht diese Freundschaft noch gut? War der Bruch eine logische Konsequenz oder hat der Zufall mitgespielt? Ich hatte nicht einmal das Gefühl, es würde sich in die Länge ziehen, sondern alles in diesem Buch war notwendig um die gesamte Handlung und damit auch diese Geschehnisse zu verstehen.

 

Das, was du nicht mehr weißt, hast du womöglich überhaupt nie erlebt. Und wozu sonst hat der Mensch so viele Schichten in seinem Herz, mit denen er alles zudecken kann, an das er nicht mehr denken will?
S. 292

 

Viertens: Mareike Fallwickl hat eine unglaublich faszinierende Sprache, die ich so noch nie erlebt habe. Es ist derb, teilweise obszön, direkt, aber auch poetisch. Von allem nicht nur ein bisschen, sondern gleich extrem viel und trotzdem in einem harmonischen Zusammenspiel. Die Autorin verwendet dabei bildhafte Vergleiche. Besonders spannend fand ich die stilistische Wahl mit den Farben. Wer das Buch kennt, weiß, was ich meine. Alle anderen sollten dies unbedingt selbst entdecken.

 

ZUSAMMENFASSEND

Mareike Fallwickl hat mit „Dunkelgrün fast schwarz“ ein starkes Debüt geschrieben, das durch viel Geschick und eine außergewöhnliche Sprache besticht. Ich war sofort eingenommen von der Geschichte rund um Raf, Motz und Jo. Immer tiefer gerät man in den Sog dieser verhängnisvollen Freundschaft, bis man alle Geheimnisse entschlüsselt hat. Für mich ist das Buch eindeutig eine Überraschung und das erste große Highlight in diesem Jahr.


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Frankfurter Verlagsanstalt || ET: März 2018 || 480 Seiten || Einzelband || Hardcover || 24,00 EUR

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Frankfurter Verlagsanstalt

6 Comments

  • Marina

    Weil du von der Dreiecksbeziehung zwischen Raffael, Moritz und Johanna geschrieben hast – ich fand das ja interessant, dass Johanna erst so spät innerhalb des Buches überhaupt Präsenz zeigt. Also wirklich aktiv auftritt. Wahrscheinlich hab ich die Beziehung zwischen den drei deswegen nie als „klassische“ Dreiecksbeziehung gesehen, weil Johanna doch immer etwas außen vor ist. Obwohl sie so wichtig ist.

    • Ela

      Liebe Marina,

      da gebe ich dir Recht – Johanna spielt eine so wichtige Rolle, tritt aber erst sehr spät auf. Vom Klappentext kam es für mich einfach wie eine Dreiecksgeschichte rüber, aber durch genau deine angesprochenen Aspekte ist sie das überhaupt nicht. Das bekommt man aber vermutlich erst mit, wenn man das Buch selbst liest.

      Alles Liebe, Ela

  • Jacquy

    Das Buch ist mir schon häufiger aufgefallen und ich habe auch viel Gutes darüber gehört, aber normalerweise sind Bücher, die sich viel um Geheimnisse drehen, selten mein Ding. Trotzdem machst du mich mit deiner Rezension neugierig und die Gründe fürs Lesen sind wirklich überzeugend. Sehr gut geschrieben!

    • Ela

      Vielen Dank für deine Worte, es freut mich sehr, dass ich dir das Buch doch noch schmackhaft machen konnte. Geheimnisse sind immer so eine Sache, wenn es zu viel ist, mag ich es auch nicht immer, aber hier musste ich einfach wissen, was eigentlich genau passiert ist und wollte das Rätsel lösen.

      Solltest du es lesen, hoffe ich sehr, dass es dir ebenso gefällt.

      Alles Liebe, Ela

  • Anka

    Hi Ela,
    das Buch ist mir jetzt schon öfter begegnet und bisher habe ich auch nur positive Meinungen dazu gehört. Neugierig war ich also sowieso schon, aber jetzt landet es direkt auf meiner Wunschliste. Was du hier schreibst, hört sich nämlich an, als würde es meinen Geschmack ziemlich gut treffen. Die Zitate alleine finde ich schon toll!
    Liebe Grüße
    Anka

    • Ela

      Liebe Anka,

      und das sind nur zwei Zitate. Ich hätte am liebsten das halbe Buch markiert, weil dort so schöne, faszinierende Stellen und Sätze sind. Es freut mich, dass ich dir bei der Entscheidung helfen konnte.

      Alles Liebe, Ela

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