Novitäten vs. Backlist – Warum die ganzen Neuerscheinungen manchmal anstrengend sind

Als ich letztens alle meine Rezensionen auf ein einheitliches Layout gebracht habe, ist mir etwas aufgefallen: Meine Rezension behandeln fast immer nur Novitäten. Selbst als ich vor über vier Jahren mit dem Bloggen anfing, habe ich fast nur Rezensionen zu den jeweils aktuell erschienen Büchern veröffentlicht. Der Grund dafür ist offensichtlich: Verlage bieten uns mit Rezensionsexemplaren eine wirklich fantastische und gleichzeitig leichte Möglichkeit, immer die neuesten Bücher zu lesen. Auch ich erhalte oder frage viele Rezensionsexemplare an. Einen Großteil der Bücher kaufe ich mir aber auch selbst. Ich würde behaupten, ich habe ein gutes, ausgewogenes Verhältnis. Trotzdem werden hier auf dem Blog in erster Linie die Rezensionsexemplare besprochen, denn diese Sache nehme ich, wie viele andere, wirklich sehr ernst. Meine selbst gekauften Bücher bleiben dabei oft auf der Strecke.

 

Novitäten vs. Backlist

Es ist tatsächlich so: Mein Bücherregal platzt bald, weil ich mehr Bücher kaufe/tausche/erhalte, als ich lesen kann. Weil ich fast alle Bücher, die viele mögen, lieben und loben ebenfalls haben möchte und lesen will. Lesen tue ich sie dann erst Monate oder sogar Jahre später oder sie werden irgendwann ungelesen wieder verkauft/getauscht/verschenkt. Das ist in vielerlei Hinsicht wirklich schade. Für mich, für die Bücher und die Autoren und für das Geld, dass ich irgendwann mal investiert habe.

Auf Blogs (auch auf meinem) werden zum Großteil (gefühlt) aber nur Novitäten besprochen, denn für die Bücher, die vor 1, 2, 3 oder mehr Jahren erschienen sind, interessiert sich doch (ebenfalls gefühlt) keiner mehr. Selbst bei Büchern, die erst vor wenigen Wochen erschienen sind, gibt es kaum noch interessant. Das Buch ist im März diesen Jahres erschienen? Pff, wen interessiert das denn noch, in der Zwischenzeit sind schon 3 Millionen andere Bücher rausgekommen (ja, Übertreibung ist gewollt). Leider habe ich – wie vermutlich viele von euch – nicht die Zeit, das halbe Frühjahrs- oder Herbstprogramm jedes Verlags zu lesen. Und leider habe ich auch nicht die Zeit 10 Bücher und mehr pro Monat zu lesen.

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Aus betriebswirtschaftlicher Sicht verstehe ich diese Novitäten-Sache übrigens sehr gut – die Verlage promoten das aktuelle Programm, denn hier liegt gerade die Haupteinnahmequelle. Der Verlag muss ja schließlich auch darauf achten, seine Kosten zu decken und Gewinne zu erwirtschaften. Ältere Bücher werden sicherlich auch noch gekauft, aber vermutlich nicht in dem Umfang, wie die Aktuellen und wenn, dann haben sie wahrscheinlich nur einen minimalen Anteil am Jahresumsatz. (Nur eine Vermutung, ich arbeite nicht in der Verlagsbranche und habe daher keinen Einblick in solche Dinge.) Auch aus Lesersicht kann ich den Hype um Novitäten teilweise verstehen – Neuerscheinungen sind immer interessant, gerade wenn der Verlag ordentlich Geld in die Marketingaktionen steckt. Ich sehe mich da selbst nicht als Ausnahme. Auch ich klicke mich jedes halbe Jahr durch die Verlagsvorschauen und füge Titel meiner Wunschliste hinzu. (Es ist absurd: Für die Herbstvorschau habe ich mich gerade mal durch die Hälfte der von mir gelesenen Verlage geklickt und ich habe schon so viele Titel auf der Merkliste, dass ich jetzt schon weiß, ich werde sie niemals alle lesen können.) Aber meine andere Lesersicht sagt mir: Die Bücher, welche ein Verlag vor ein paar Jahren verlegt hat, sind doch auch noch interessant. Nur weil sie mittlerweile Backlist-Titel sind und keine großen Marketingkampagnen oder Aufmerksamkeit mehr haben oder bekommen, sind sie doch deswegen immer noch lesenswert. Warum ignoriere ich mein Regal voll ungeahnter Buch-Möglichkeiten?

 

Schluss damit!

Es ist tatsächlich etwas anstrengend geworden immer den neuesten Trends hinterher zu sein. Dieser ganze selbsterzeugte Stress geht mir auf die Nerven. Mein Stapel an Rezensionexemplaren ist immer relativ klein gehalten, damit ich mich nicht selbst unter Druck setze. Aber dennoch, trudelt eine Neuerscheinung nach der andren bei mir ein, die gelesen und rezensiert werden will. Der SuB steigt dabei kontinuerlich weiter, denn die Titel die ich nicht erhalten oder anfrage werden weiterhin von mir gekauft. Das alles bringt mich dazu, dass ich Bücher manchmal nicht mehr genießen kann, weil im Hinterkopf das Wissen ist, dass da noch unzählige andere Bücher gelesen werden wollen. Ich habe genug um die Ohren, lesen soll (mich) entspannen und der Blog ist ein Hobby. Aber ich merke oft, dass das alles droht zur Last zu werden. Und wenn es so weit kommt, dann läuft irgendwas falsch bei mir und ich muss die Bremse ziehen.

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Ich möchte den älteren Büchern, die irgendwann mal ihren Weg in mein Regal gefunden haben, die gleiche Aufmerksamkeit schenken, wie die Neuerscheinungen, die ich lese. Ich möchte mich ebenso in ihre Welt fallen lassen und in die Geschichte des Autors/der Autorin eintauchen. Es gibt Gründe dafür, warum all diese Titel in meinem Regal stehen. Ich möchte diese Gründe erforschen, herausfinden ob sie sich bewahrheiten. Ich selbst entscheide doch eigentlich, wann, wie und vor allem was ich lese. Wenn das Buch vor 10 Jahren erschienen ist, dann ist es so. Who cares?

Ich glaube, für den Blog würde mir eine gute Mischung gefallen. Ich will den Neuerscheinungen nicht ganz abschwören, aber ich will sie auch nicht mehr nur zum alleinigen Fokus machen. Vielleicht werde ich mir eine neue Kategorie einfallen lassen, in der ich auf Backlisttitel aufmerksam mache. Vielleicht sollte man aber auch einfach richtig konsequent sein und alles einmal ignorieren.
 

Eure Meinung ist gefragt!

Ich bin natürlich neugierig – was interessiert euch mehr, was lest ihr mehr? Seid ihr eher der Novitäten oder der Backlist-Typ? Oder mögt ihr eine gute Mischung? Und bei Rezensionen – lest ihr da lieber Rezensionen zu den Neuerscheinungen oder auch gerne mal zu älteren Titeln?

4 Kommentare bei „Novitäten vs. Backlist – Warum die ganzen Neuerscheinungen manchmal anstrengend sind“

  1. Vor ein paar Jahren habe ich auch hauptsächlich die Neuerscheinungen gelesen, auch wegen Rezensionsexemplaren. Seit ich diese aber nicht mehr anfrage, komme ich immer mehr dazu, mich meinem SuB zu widmen und endlich die Bücher zu lesen, die ich vor Jahren ganz aufgeregt gekauft habe, weil ich sie unbedingt lesen wollte. Bei manchen ist das Interesse schon verloren gegangen und sie entsprechen nicht mehr meinen Geschmack, aber ich entdecke zwischendurch doch immer wieder Schätze. Das Alter ist bei Büchern wirklich meist nicht relevant und die von vor 2-3 Jahren können mindestens genauso gut sein wie die aktuellen. Zumal man da auch nicht mehr auf die Fortsetzungen warten muss 🙂

    1. Hallo Jacquy,
      ja, so geht es mir auch. Ich lese halt auch nur noch die ganzen Neuererscheinungen und irgendwie nervt mich das. Ich würde gerne mal erkunden, was da seit Jahren in meinem Regal liegt aber irgendwie … keine Ahnung. Rezensierst deine SuB-Bücher? Für mich ist das Alter eines Buches auch nicht relevant, von mir aus, kann es auch vo 10 Jahren erschienen sein, aber ich habe einfach das Gefühl, dass sich kein Mensch für genau diese Titel interessiert, sondern alle immer nur auf die Neuerscheinungen fokussiert sind…
      Alles Liebe, Ela

      1. Wenn ich etwas zu sagen habe, rezensiere ich sie auch. Zwar merke ich da, dass die Klicks deutlich weniger sind, aber ich habe immer mal wieder einen Kommentar in Richtung „Das kannte ich noch gar nicht, klingt gut“ und dafür lohnt es sich dann. Ich höre auch oft, dass Leute nicht auf jedem Blog die gleichen Bücher sehen wollen und sowas bringt dann ein bisschen Abwechslung rein, was ich selbst auch mag.

        1. Ah, okay. Für Bücher bei denen ich nicht so viel zu sagen habe, habe ich die Kategorie „Bücher im Schnelldurchgang“, damit ich wenigstens einen kurzen Einblick gebe. Danke auf jeden Fall für das Feedback. Ich denke, ich probiere es mal damit, mehr SuB-Bücher zu lesen und vorzustellen. Denn wirklich auf jedem Blog die gleichen Bücher zu sehen, ist auf Dauer langweilig 🙂

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