Laura Kneidl – Die Krone der Dunkelheit

Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten – doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird. Für ihre Strafe muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.
Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird …

Hinweis:Der Klappentext wurde von mir etwas eingekürzt bzw. leicht umformuliert, um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten.
 

GEDANKEN ZU „DIE KRONE DER DUNKELHEIT“

Ein Fantasyroman auf Literaturliebe? Eine wahre Rarität! Dennoch möchte ich dir heute gerne „Die Krone der Dunkelheit“ ans Herz legen.

Laura Kneidl bietet nämlich in ihrem Auftaktband der Fantasy-Reihe eine gut konzipierte Welt, die ich mit einer kindlichen Aufregung und Neugierde vergleichbar gerne erkundet habe. Und dass, obwohl das ganze Thema um die verschiedenen Länder und Völker zunächst etwas verwirrend für mich war und ich einige Zeit brauchte, um mich in die Welt reinzudenken und die verschiedenen Personen zuzuordnen. Als Tipp am Rande: Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, das nicht nur hilfreich für eine richtige Aussprache der Namen ist, sondern bei dem man ggf. auch nochmal einen schnellen Überblick erhält.

„Die Krone der Dunkelheit“ besteht zunächst aus mehreren Handlungen. Einerseits begleitet man Freya auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder und auf der anderen Seite verfolgt man Ceylans „Karriere“ als Wächterin. Den dritten Handlungsstrang lasse ich aus Spoilergründen jetzt außer Acht. An einem gewissen Punkt laufen diese Handlungen an einem Ort zusammen, an dem sich die Charaktere zusätzlich begegnen. Die einzelnen Handlungen, besonders die um um Freya und Ceylan, wurden geschickt von der Autorin verknüpft und fügen sich am Ende gut zusammen.

 

Wer bescheiden ist, ist nur zu feige, sich sein eigenes Können einzugestehen, aus Angst vor den Erwartungen, die damit einhergehen.
Die Krone der Dunkelheit – S. 199

 

Besonders interessant fand ich die Charaktere, die alle ihre eigene Persönlichkeit und Wesenszüge besitzen. In Anbetracht der Vielzahl an vorkommenden Charakteren stelle ich mir dies nicht einfach vor, aber Laura Kneidl hat es geschafft, jedem Charakter seine Eigen- und Besonderheiten zu geben. Freya als Beispiel ist mutig, entschlossen und willensstark, während Ceylan dagegen rebellisch und impulsiv ist, was ihr oft zum Verhängnis wird. Bezüglich der Tiefe und Vielschichtigkeit lässt sich in den Folgebänden sicherlich noch arbeiten, denn einige Charaktere wirkten noch zu oberflächlich. Der Wächter Larkin bspw. scheint voller Geheimnisse zu stecken und ist ein reines Mysterium. Es ist an dieser Stelle schwierig einen richtigen Protagonisten auszumachen und näher darauf einzugehen, denn sie alle sind – sympathisch oder nicht – unerlässlich für die Geschichte. Würde auch nur eine Figur fehlen, würde die Geschichte nicht mehr funktionieren.

Laura Kneidl schreibt aus verschiedenen Sichtweisen, die mal mehr, mal weniger gut ausgeglichen sind. Meistens ist es jedoch die Sicht von Ceylan und Freya, die sich abwechseln und man so beide Handlungen gut verfolgen und in die Gedankenwelt eintauchen kann. Bei einigen Szenen hatte ich kurzzeitig den Eindruck, die Handlung gerät ins Stocken und wird zu sehr in die Länge gezogen. Aber ehe dieses Gefühl zu übermächtig wurde, ging der Verlauf weiter und man wird Seite für Seite tiefer in die Geschehnisse hineingezogen.

„Die Krone der Dunkelheit“ bietet ein hohes Maß an Spannung, die im Verlauf immer mehr wurde und besonders zum Ende kaum noch auszuhalten war, gepaart mit Action, einigen Herausforderungen, aber auch leisen Momenten und die minimale Andeutung von Romantik. Der flüssige und vor allem bildhafte Schreibstil, den ich für Fantasy unerlässlich finde, wenn man mit einer nicht existierenden Welt arbeitet, fügt sich gut in die Geschichte ein und rundet das Gesamtbild ab. Das Ende ist wie zu erwarten ein Cliffhanger, der jetzt für mich nicht allzu dramatisch war, aber bei dem dennoch so verdammt vieles offen ist. Auf die Umsetzung in Band 2 „Magieflimmern“ bin ich schon sehr gespannt.

 

KURZ & KNAPP

Vielleicht rührt meine Begeisterung daher, dass ich so selten Bücher aus dem Bereich Fantasy lese und Laura Kneidl mich deshalb mit „Die Krone der Dunkelheit“ überzeugen konnte. Auch wenn einige wenige Stellen etwas zu lange andauerten, so ist die Handlung und die konzipierte Welt gut durchdacht und umgesetzt. Interessante Charaktere und unterschiedliche Völker und Begabungen runden das Buch ab und Entwicklungspotenzial bzw. Raum für eine tiefere Ausarbeitung hat sich Laura Kneidl noch gelassen. Wer einen spannenden Fantasyroman mit etwas Action und einem Hauch Romantik sucht, sollte sich dieses Buch näher anschauen.


 
Bibliografie
Piper Verlag – ET: Oktober 2018 – 640 Seiten – Band 1 – Klappenbroschur – 15,00 EUR
 
DKdD-Reihe
Band 1: Die Krone der Dunkelheit
Band 2: Die Krone der Dunkelheit. Magieflimmern
Band 3: Die Krone der Dunkelheit. Götterdämmerung

Ein Kommentar bei „Laura Kneidl – Die Krone der Dunkelheit“

  1. Bonjour, Ela.
    Auch wenn die Spielarten der Fantasy gern (aus Werbegründen) vorgeben einmalige Welten & nie gekannte Gefahren zu beinhalten, so ist es in vielen Fällen das jonglierende Arbeiten mit Elementen. Aber ähnlich wie sich „Boy meets Girl“ nicht vollkommen neu erdenken läßt, spiegelt Fantasy „nur“ diese Welt in einer anderen Welt. Bleibt eine Geschichte mit lebendigen Charakteren zu erzählen.
    Und eine überzeugende Liebesgeschichte (um bei Boy meets Girl zu bleiben) kann auch einen ollen Sack wie mich nach wie vor freuen.
    Von daher hast Du einen guten Start erwischt.
    Ich nehme an, daß in der erwähnten dritten Handlungsschiene allerlei böse Ränke geschmiedet werden… 🙂
    bonté

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